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Antonietta Salvati

 

Ein Museum der leisen Art

 

 

Der italienische Stararchitekt Renzo Piano wollte mit dem Zentrum Paul Klee einen Ort der Stille schaffen, der dem Geiste Paul Klees entspricht, eine grüne Insel in der Stadt Bern. Den eigentlichen Reiz des Ortes „Schöngrün“ sah Renzo Piano in den sanften Hügeln am Stadtrand. Eine ideale Situation, um zwischen urbaner und ländlicher Kulturlandschaft zu vermitteln und um einen sanften Übergang zwischen dem Heiligen, wie Piano die Kunst von Paul Klee nennt, und dem Profanen, dem Alltag, zu schaffen. Konkret handelt es sich dabei um eine Fläche von 2,5 Hektar, die seit der Eröffnung des Zentrum Paul Klee landwirtschaftlich genutzt wird.

 

 

 

Paul Klee und Bern

 

Paul Klee wurde 1879 in Münchenbuchsee bei Bern als Sohn des Musiklehrers Hans Klee-Frick und der Sängerin Ida Klee-Frick geboren. Nach der Matura in Bern siedelte er 1898 nach München über. Nach langem Schwanken zwischen Musik, Literatur und Malerei entschied sich Paul Klee 1899 für die Malerei und studierte in München Grafik an einer Privatschule bei Heinrich Knirr (1862-1944). Im Oktober 1900 trat Klee in die Malklasse von Franz von Stuck an der Akademie ein. Nach einer Italien-Reise (1901/1902) und einem Aufenthalt bei den Eltern in Bern zog er 1906 endgültig nach München und heiratete die Pianistin Lily Stumpf.

1911 wurde in München die Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ als künstlerische Redaktionsgemeinschaft des Expressionismus von Wassily Kandinsky und Franz Marc gegründet. Paul Klee war kein offizielles Mitglied der Künstlervereinigung, fühlte sich dem Kreis jedoch sehr verbunden und beteiligte sich an Ausstellungen. Der Name der Gruppe leitet sich von einem gleichnamigen Gemälde Kandinskys aus dem Jahr 1903 ab, das 1912 als Buchtitelillustration zu dem ebenfalls so genannten Almanach diente.

Eine Reise nach Tunis - zusammen mit August Macke und Louis Moilliet - im Jahre 1914, führte Paul Klee zum eigenständigen malerischen Werk führte. Er empfand dies selbst so, als er in sein Tagebuch schrieb: „Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht nach ihr zu haschen. Sie hat mich für immer, ich weiß das. Das ist der glücklichen Stunde Sinn: ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler.“

Als Sohn eines deutschen Vaters wurde Klee im März 1916 zum Kriegsdienst eingezogen und im August zur Flieger-Ersatzabteilung nach Schleißheim versetzt, wo er als „Kunstmaler“ die Tarnbemalung der Flugzeuge ausbessern musste. Im Januar 1917 kam er an die Königlich Bayerische Fliegerschule in Gersthofen. Ein Fronteinsatz blieb ihm erspart.

Die erste retrospektive Einzelausstellung Paul Klees wurde am 17. Mai 1920 in der Galerie Goltz eröffnet. Sie umfasste 362 Werke an Gemälden, Aquarellen, Plastiken, Zeichnungen und Graphik-Blättern.

 

1921 wurde Klee als Werkstattmeister für Buchbinderei an das Staatliche Bauhaus in Weimar berufen - Kandinsky folgte ihm 1922. Doch erst ab Herbst 1926, nach dem Umzug der Bauhausschule nach Dessau, durften Kandinsky und Klee eigene und vor allem freie Malklassen leiten. Die Lehre von den bildnerischen Elementarmitteln bildet den Ausgangspunkt von Klees System. Sein zentrales Anliegen war die grundlegende Erfassung der Beziehungen zwischen Linie, Form und Farbe im Bildraum bzw. innerhalb eines vorgegebenen Musters. Trotz eines rationalistischen Ansatzes erkannte er auch die Rolle des Unbewussten an und verstand Kunst als Schöpfungsakt parallel zur Natur.

1924 gründete er - im Andenken an den „Blauen Reiter“ - in Weimar zusammen mit Lionel Feininger, Wassily Kandinsky und Alexej von Jawlensky die Künstlergruppe „Die Blauen Vier“, welche außer im Bauhaus-Umfeld vor allem in den USA ausstellte. 1925 nahm er an der Surrealisten-Ausstellung in Paris teil. Am 1. April 1928 trat Gropius als Direktor zurück. Auf Klees Vorschlag wurde der Schweizer Architekt Hannes Meyer neuer Direktor, der für das Bauhaus nicht nur die Devise „Volksbedarf statt Luxusbedarf“ ausgab, sondern auch die Zusammenarbeit mit der Industrie intensivierte. Der daraus entstehende Streit zwischen den „angewandten“ und den „freien“ Künstlern wie Klee spitzte sich derart zu, dass dieser 1931, erschöpft von den Querelen am Bauhaus, den Ruf auf eine Professur an der Kunstakademie Düsseldorf annahm.

1933 wurde er als „entarteter Künstler“ von den neuen Machthabern fristlos entlassen. Er kehrte nach Bern zurück. 1935 diagnostizierte man bei ihm unheilbare Sklerodermie. 1937 wurden 102 Werke von Paul Klee in deutschen Sammlungen als „Entartete Kunst“ beschlagnahmt. Trotz der Einschränkungen durch die zunehmende Verhärtung der Haut hatte er ab 1938 noch einmal eine sehr produktive Schaffensphase. Er improvisierte viel und bediente sich verschiedener Ausdrucksformen, darunter Bleistift-, Kreide- und Tuschezeichnungen. Dabei thematisierte er auch seinen sich verschlechternden Gesundheitszustand durch - oft karikaturhafte - Darstellung leidender Figuren. 1939 stellte Klee, deutscher Staatsbürger, erfolglos einen Antrag auf Einbürgerung in der Schweiz. Klee starb am 29. Juni 1940 in Locarno-Muralto. Erst 1942 wurde ihm postum die Schweizer Staatsbürgerschaft zuerkannt, um die er sich zu Lebzeiten vergeblich bemüht hatte

 

 

Auf diesen umstand bezog sich Berns Stadtpräsident Dr. Klaus Baumgartner, als er anlässlich der Grundsteinlegung  des Museumsprojektes Zentrum Paul Klee in bern unjter anderem sagt:  „Wir wollen das Paul Klee-Museum in Bern aufbauen. Weshalb hier? Weshalb nicht in München, in Weimar, in Dessau? Weshalb hier in Bern, wohin Paul Klee 1933 nach seiner Entlassung durch die Nationalsozialisten von Dessau zurück emigrierte und trotz Antrag die schweizerische Staatsbürgerschaft bis zu seinem Tod 1940 nicht erhielt? Weshalb also in Bern?“ Und er und er gab vor medienvetretern dazu  anderem auch folgende Antworten: „Am 29. Juni 1940 stirbt Paul Klee im Krankenhaus Sant‘ Agnese in Locarno-Muralto. Der 1939 gestellte Antrag auf Schweizer Staatsbürgerschaft ist von den Behörden noch nicht behandelt. Ich wiederhole: Bern hat an Paul Klee und seiner Familie etwas gutzumachen.“

 

Erst in den fünfziger Jahren wurde die Bedeutung von Paul Klee international gewürdigt. Einige seiner Werke wurden auf der documenta 1 (1955) und der documenta II (1959) in Kassel gezeigt. Im Jahr 1952 wurde in Bern die Paul-Klee-Stiftung gegründet. Ihre Bestände blieben jahrzehntelang im Kunstmuseum eingelagert und wurden von dieser Institutuion auch  verwaltet. Von daher bot sich Bern als bedeutender Ort der Klee-Forschung, der Klee-Pflege beinahe von selbst als standort für ein haus an, das leben und Werk des großen Expressionisten darstellen konnte.

Wichtiger Impuls für die Sammlung war vor allem die Großzügigkeit von Livia und Alexander Klee: Sie hatten bereits 1993 signalisiert, dass sie ihre von Pauls Sohn Felix geerbten Werke Paul Klees und seiner Zeitgenossen zur Verfügung stellen würden, wenn dafür in Bern ein Museum errichtet würde. Im Mai 1997 hat Livia Klee ihren Werkanteil dem Kanton und der Stadt Bern geschenkt. Der Regierungsrat und der Gemeinderat nahmen die Schenkung in tiefer Dankbarkeit an. Nochmals der damalige Stadtpräsident: „Wir sind uns der damit verbundenen Verpflichtung bewusst und halten sie hoch (…) Bernerinnen und Berner schätzen Paul Klee. Klees Werk ist hier verwurzelt.“

 

 

Ein künstlerischer Impuls

 

 

Das Zentrum Paul Klee verfügt heute mit rund 4.000 Werken über die weltweit bedeutendste Sammlung von Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen sowie über Archivalien und biografische Materialien aus allen Schaffensperioden von Paul Klee. Ermöglicht haben diese Sammlung die Gründerfamilien Klee und Müller, die Behörden und die Bevölkerung von Stadt, Kanton und Bürgergemeinde Bern sowie Partnerinnen und Partner aus der Wirtschaft. Die zentrale Aufgabe des Zentrum Paul Klee besteht darin, das künstlerische, pädagogische und theoretische Werk Paul Klees sowie dessen Bedeutung im kulturellen und gesellschaftlichen Zusammenhang seiner Zeit wissenschaftlich zu erschließen und den Besucherinnen und Besuchern anschaulich zu vermitteln. Durch zeitgemäße Fragestellungen, durch neue wissenschaftliche Interpretationen und methodisch innovative Präsentationen will das Zentrum Paul Klee das kreative Potenzial Paul Klees als Impuls in die künstlerische und kulturelle Gegenwart einbringen. Den Besucherinnen und Besuchern sollen neue Zugänge erschlossen und Erfahrungen ermöglicht werden, die zur intensiveren Auseinandersetzung mit Klee einladen und zum Wiederkommen ins Zentrum Paul Klee motivieren.

 

Durch seine Aktivitäten etabliert sich das Zentrum Paul Klee als weltweites Kompetenzzentrum für die Erforschung und Vermittlung von Leben und Werk Paul Klees und dessen Wirkungsgeschichte. Um diese Ziele zu erreichen, entwickelt das Zentrum Paul Klee ein differenziertes Angebot an Ausstellungs- und Vermittlungsprogrammen, die sich an den Bedürfnissen von Besucherinnen und Besuchern unterschiedlicher Altersstufen, biografischer Voraussetzungen und kultureller Interessen orientieren. Für diesen Zweck stehen Ausstellungsräume von hoher ästhetischer und funktionaler Qualität für wechselnde Präsentationen aus der Sammlung sowie für Sonderausstellungen zur Verfügung.

Die Kommunikationszone bietet eine Vielzahl an elektronischen und gedruckten Informationsmaterialien, ein großer Aktionsbereich regt Kinder, Jugendliche und Erwachsene dazu an, die eigene Kreativität frei zu entfalten, spezielle Räumlichkeiten ermöglichen interessierten Besucherinnen und Besuchern Einblicke in Teile der umfangreichen Zeichnungsbestände. Ein Musiksaal schafft ideale Voraussetzungen für musikalische Erlebnisse. Modern ausgerüstete Veranstaltungs- und Seminarräume erleichtern die inhaltliche Auseinandersetzung mit Themen aus unterschiedlichen Kultur- und Wissensgebieten. Und am Ende bieten die vom Architekten Renzo Piano gestaltete Umgebung sowie der Skulpturenpark mit ihrer einzigartigen Symbiose von Natur und Kultur ein sinnliches Erlebnis und eine Oase der kreativen Entspannung inmitten der Großstadt.

 

Die Grundlagen für die Umsetzung seines Ausstellungs- und Vermittlungsprogramms schafft das Zentrum Paul Klee indem es folgende Schwerpunkte setzt und umsetzt:

 

.            Entwicklung und Anwendung attraktiver Vermittlungs- und Präsentationsmethoden des Kleeschen Werkes

.            Durchführung von Forschungsprojekten, die das Wissen über Klee, sein künstlerisches Umfeld und die Wirkungsgeschichte seines Werks erweitern und die Forschungsergebnisse einem breiten Publikum zugänglich machen.

.            Schwerpunktmäßige Erweiterung der Sammlungsbestände, wobei auch der künstlerische Freundeskreis Paul Klees in die sammeltätigkeit einbezogen wird.

.            Wissenschaftliche Bearbeitund sowie konservatorische und restauratorische Betreuung der Sammlung.

.           Pflege des weltweiten Austausches mit Kunstmuseen

.            Zusammenarbeit mit den Museen und weiteren Kultur- und Bildungsinstitutionen auf städtischer, kantonaler und nationaler Ebene

 

 

 

Renzo Piano – Visionen und Werk eines Architekten

 

 

„Der Beruf des Architekten ist eine abenteuerliche Tätigkeit: Ein Grenzberuf in der Schwebe zwischen Kunst und Wissenschaft, auf dem Grat zwischen Erfindung und Gedächtnis, zwischen dem Mut zur Modernität und echter Achtung der Tradition. Der Architekt lebt notgedrungen gefährlich. Er arbeitet mit allen Arten von Rohstoffen, womit ich nicht allein Beton, Holz und Metall meine, sondern ebenso Geschichte und Geografie, Mathematik und Naturwissenschaften, Anthropologie und Ökologie, Ästhetik und Technologie, Klima und Gesellschaft. Mit all diesen Dingen muss er sich täglich messen. Der Architekt übt die schönste Tätigkeit der Welt aus. Denn auf diesem kleinen Planeten, auf dem bereits alles entdeckt worden ist, ist das Entwerfen noch eines der großen möglichen Abenteuer.“

 

Der Architekt, der dies von sich und seinem Beruf sagt, ist am 14. September 1937 in Genua als Sohn einer Bauunternehmer-Familie geboren. Nach Studien an den Universitäten von Florenz und Mailand schloss Renzo Piano 1964 seine Ausbildung am Polytechnikum von Mailand mit dem Diplom in Architektur ab. Bereits während des Studiums hatte er sich im Büro von Franco Albini praktische Erfahrung geholt und perfektionierte sein Wissen, das schon im Betrieb des Vaters grundgelegt worden war. Zwischen 1965 und 1970 ergab sich eine fruchtbare Zusammenarbeit mit Louis I. Kahn in Philadelphia und mit Z.S. Makowsky in London; zahlreiche Studienreisen und Forschungstätigkeiten rundeten diese jahre der ersten berufserfahrung ab. Entscheidend wurde die Begegnung mit Jean Prouvé: sie markierte den Beginn einer engen Freundschaft, die Leben und Arbeit von Renzo Piano stark beeinflusste.

1971 erfolgte die Gründung der Gesellschaft „Piano & Rogers“ mit dem Architekten Richard Rogers. Das bekannteste ihrer gemeinsamen Projekte wurde das bahnbrechende „Centre Georges Pompidou“ in Paris. 1977 datiert die Gründung des Büros Piano & Rice mit Peter Rice. Daraus ergab sich eine jahrelange intensive Zusammenarbeit mit dem Ingenieur Peter Rice, bis zu dessen Tod im Jahre 1993.

Zur Zeit leitet Renzo Piano je ein Atelier in Genua, Paris und Berlin, die unter dem Namen Renzo Piano Building Workshop (RPBW) vereint sind. Im Renzo Piano Building Workshop arbeiten Architekten, Ingenieure und weitere Spezialisten zum Teil seit Jahren zusammen. Renzo Piano ist für sein Schaffen in den letzten zwanzig Jahren international mit 26 Preisen, Ehrenmitgliedschaften und Dres h. c. ausgezeichnet und geehrt worden.

 

 

Zu seinen bisherigen Werken zählen unter anderem:

 

1978  Centre National d’Art et de Culture Georges Pompidou, Paris, Frankreich

1981 De Menil Collection, Houston (Texas), USA

1991 Die neue Kirche für Padre Pio, San Giovanni Rotondo (Foggia), Italien

1995 Cy Twombly-Pavillon, Houston (Texas), USA

1996 Museum für zeitgenössische Kunst, Varnamö, Schweden

1997 Museum für die Fondation Beyeler, Basel

1997 National Centre for Science and Technology Amsterdam, Netherlands

1997 Renovation und Erweiterung des Harvard University Art Museum, Cambridge (Massachusetts), USA

1998 Convent des Kapuzinerordens, San Giovanni Rotondo (Foggia), Italien

1998 Kulturzentrum Jean Marie Tjibaou, Nouméa, Neukaledonien

1998 Zentrum Paul Klee, Bern, Schweiz

     

 

 

 

Vision einer Landschaftsskulptur

 

 

Der Architekt Renzo Piano wusste, dass er die Antworten auf seine wichtigsten Fragen zur Gestaltung des Zentrum paul Klee bei diesem selbst finden würde: „Womit beginnen? Mit Klee natürlich.“ Von Anfang an stand für ihn fest, dass dieser Künstler „einen zu weiten, zu großen Atem“ hat, als dass er in ein „normales Gebäude“ eingesperrt werden könnte. Dem Werk eines „Poeten der Stille“, so Piano in einem Gespräch, sei das geplante Zentrum gewidmet, und deshalb gelte es, über ein Museum der grundsätzlich leisen Art nachzudenken.

Für die Vision seines eigenen Werks ließ sich Renzo Piano aber auch von der Identität des Ortes, der sanft geschwungenen Linie des Terrains inspirieren. Dass da noch die Autobahn war, die mit einem tiefen Einschnitt die Bauparzelle abrupt begrenzt, störte ihn nicht. Als eine „Lebensader“ unserer Zivilisation sollte sie vielmehr ins Projekt einbezogen werden und hier ihr ästhetisch-funktionales Echo finden.

Die intensive Auseinandersetzung mit der Aufgabenstellung und dem Gelände führten Renzo Piano zur Idee, aus dem Areal am Ostrand Berns eine grüne Insel, einen entrückten und geheimnisvollen Ort entstehen zu lassen. Aus dieser „Insel“ erhebt sich heute das Zentrum Paul Klee in Form von drei Terrainartikulationen, die ins Gelände eingreifen. So entsteht eine harmonische Landschaftsskulptur, die als Ganzes zum Zentrum wird.

 

Die drei Hügel gehören zur „gezähmten“ Natur, sind aber zugleich sehr funktionale und zeitgemäße Kunstbauten. Sie müssen die anspruchsvollen baulichen Voraussetzungen erfüllen, die ein vielfältiger Kulturbetrieb erfordert, und so sollen sie zwar bescheiden, aber dennoch ihrer Funktion entsprechend in Erscheinung treten.

Die drei Hügel teilen sich ins inhaltliche Programm und sind im Gebäudeinnern durch eine 150 Meter lange Museumsstraße miteinander verbunden. Sie bildet die Nord-Süd-Achse des Zentrum Paul Klee und verläuft parallel zur Autobahn. Die Museumsstraße ist das Rückgrat der Erschließung, die Hauptschlagader der Kommunikation und damit auch die ästhetisch-funktionale Antwort auf die Autobahn.

Erst vor kurzem, zum zehnjährigen Jubiläum der Stiftung „Natur & Wirtschaft“ ist das Zentrum Paul Klee am Montag, 24.9.2007, für seine naturnahe Arealgestaltung ausgezeichnet worden. Die Kriterien der Stiftung „Natur & Wirtschaft“ wurden in dieser Anlage mustergültig erfüllt: Die Verkehrsflächen sind größtenteils wasserdurchlässig und die Dächer begrünt. Die Gärtner mähen die Wiesen zur zwei Mal pro Jahr. Mehr als drei Viertel der Grünfläche ist naturnah gestaltet. Im Rahmen der Feierlichkeiten, die im Zentrum Paul Klee selbst stattfanden, überreichte Stiftungspräsident und Nationalrat Ruedi Lustenberger dem Direktor des Zentrum Paul Klee, Dr. Juri Steiner, das Zertifikat für die naturnahe Umgebungsgestaltung.

 

 

Projekt „Wege zu Klee“

 

Das Projekt „Wege zu Klee“ wurde auf den Zeitpunkt der Eröffnung des Zentrum Paul Klee im Juni 2005 hin realisiert. Bereits in den ersten Entwürfen setzten Renzo Piano und sein Team – der Renzo Piano Building Workshop (RPBW) – das Zentrum Paul Klee in einen weiträumigen städtebaulichen und topografischen Zusammenhang: Zwischen der Altstadt von Bern, dem Zentrum Paul Klee im Schöngrün und dem Ostermundigenberg schlugen sie konzeptionelle Brücken, ohne zu diesem Zeitpunkt zu wissen, dass die Ostermundiger Steinbrüche im Leben von Paul Klee eine bedeutende Rolle gespielt haben. Die Idee dahinter war, das Informations- und Leitsystem der Stadt Bern als einen zusätzlichen Themenpfad zu nutzen, der, von der Innenstadt zum Zentrum Paul Klee reichend, die Besucher-innen auf ihrem Weg zum Museum mit Aspekten von Leben und Werk Paul Klees vertraut macht.

Auf Initiative der Gemeinde Ostermundigen wurde dieser Themenpfad vom Zentrum Paul Klee bis zu den Steinbrüchen auf dem Ostermundigenberg erweitert. Dies in Anlehnung an die ersten Entwürfe der Architekten, und weil die Steinbrüche für die Gemeinde Ostermundigen sowie für die künstlerische Entwicklung von Paul Klee von großer Bedeutung waren. Thematische Stelen entlang des Themenpfads dokumentieren Aspekte aus Paul Klees Biografie und künstlerischem Werdegang mit Werkabbildungen, historischen Aufnahmen und Zitaten. Weiter verweisen sie auf Verbindungen zum heutigen Stadtraum, etwa auf Orte, die Assoziation zu einem Werk von Paul Klee wecken.

 

Der Themenpfad möchte Bern als Lebensort von und Inspirationsquelle für Paul Klee vorstellen. Berns Reichtum an architektonischen und landschaftlichen Formen widerspiegelt sich in Klees künstlerischer Auseinandersetzung mit seiner Zeit. Die Wegroute führt vom Hauptbahnhof durch die attraktive Innenstadt zum Bärengraben. Von dort aus geht es weiter über den Muristalden, wo sich der Blick auf die südliche Altstadtkulisse öffnet, zum Egelsee. Am Egelsee treffen Themenpfad und die nach Werken von Paul Klee benannten Straßen und Wege rund um das Zentrum Paul Klee („Schritte für Klee“) aufeinander. Die drei Wellen der Landschaftsskulptur und – bei günstigen Wetterbedingungen – das Alpenpanorama vor Augen, führt der Weg durch die unverbaute Landschaft zum Zentrum Paul Klee.

Auf dem Gebiet der Gemeinde Ostermundigen führen zwei Wege zu den Steinbrüchen. Der nördliche Weg beginnt beim Zentrum Paul Klee und durchquert den Schosshaldenfriedhof, wo Paul Klee begraben liegt, sowie den Schosshaldenwald. Über die Waldegg geht es zum Bahnhof Ostermundigen. Hinter dem Dorfzentrum führt ein historischer Weg zu den Steinbrüchen. Der südliche Weg führt über Dennigkofen und Wittigkofen zurück zum Zentrum Paul Klee.

 

Einige Stationen des Themenpfads sind so positioniert, dass sie zum längeren Verweilen einladen. Trägerin des Projekts ist die Arbeitsgruppe „Wege zu Klee“. Ihr gehören Vertreterinnen und Vertreter der Behörden der Stadt Bern und der Gemeinde Ostermundigen sowie Vertreterinnen und Vertreter des Zentrum Paul Klee und der Baukommission des Zentrum Paul Klee an. 

 

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