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Armin Mutschlechner 

Auf rechten Abwegen 
Eine „History-Werkstatt“ für junge Südtiroler

 

 

Mit dem Projekt „Historywerkstatt“ möchte das Jugendzentrum Kassianeum jungen Erwachsenen unsere Geschichte wertfrei näher bringen. Die Erfahrungen mit Jugendlichen in der Jugendarbeit haben gezeigt, dass das historische Wissen oftmals nicht den wünschenswerten Umfang hat, was vielfach dazu führt, dass sich Halbwahrheiten leicht verbreiten können, die Zeit des Faschismus und des NS- Regimes mystifiziert werden und rechtsradikale Lügen es leicht haben, Früchte zu tragen. Außerdem tragen eine latente Ausländerfeindlichkeit, die mediale Bagatellisierung von Gewalthandlungen und wachsende - auch verbale - Intoleranz gerade bei Jugendlichen dazu bei, dass die Hemmschwelle gegenüber aggressivem Verhalten mit ideologischem Hintergrund unter Jugendlichen laufend sinkt.

 

Als Trägerverein der Brixner „Geschichtswerkstatt“ formuliert das Jugendzentrum Kassianeum folgende Projektziele:

  • junge Menschen ermuntern und bestärken, sich aktiv für Toleranz im Umgang miteinander und gegenüber anderen Menschen einzusetzen.
  • Diejenigen zu unterstützen, die gegen fremdenfeindliche, rassistische und antisemitische Einstellungen und Gewalt vorgehen und auch „gefährdete Jugendliche“ nach Möglichkeit in die Diskussion mit einzubeziehen. Es soll eine Gruppendynamik entstehen, die zeigt, dass der Anschluss an rechtsextreme Gruppen nicht die "einzige Möglichkeit der Identitätsfindung" ist
  • Förderung von Begegnung zwischen Menschen verschiedener kultureller, religiöser und sozialer Prägung
  • Förderung des Demokratieverständnisses
  • die Auseinandersetzung mit der Südtiroler Geschichte, insbesondere in der Zeit von 1810 bis 1972 (Die Daten stehen für folgende historische Eckdaten: Tod Andreas Hofers in Mantua und Inkrafttreten des „Pakets“)
  • die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in Deutschland und dem Faschismus in Italien, ihren Ursachen, Folgen und ihrer Wirkungsgeschichte, mit besonderem Bezug der Wirkung auf Jugendliche
  • Auseinandersetzung mit damit in Zusammenhang stehenden aktuellen Problemen, insbesondere Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit, mit Rassismus, Antisemitismus und der Diskriminierung von sozialen Minderheiten
  • einen Beitrag zur Stärkung der Zivilgesellschaft leisten und zum Ausbau der Zivilcourage.

Zielgruppe des Projektes sind Südtiroler Jugendliche ab 14 Jahre. Es wird sicher schwierig sein, „gefährdete“ Jugendliche für das Projekt zu gewinnen. Zu diesen Gruppen besteht nur erschwerter Zugang. Das Hauptaugenmerk liegt deshalb darin, die Problematik zu thematisieren und mit den Jugendlichen darüber zu reden. Dadurch soll präventiv gewirkt und antirassistische Einstellungen sollen gestärkt werden. Um größtmögliche Resonanz zu erzielen, wird das Projekt an deutsch- und italienischsprachigen Mittelschulen, Oberschulen sowie in den Jugendeinrichtungen Südtirols angeboten.

Projektkonzept

 

Das Projekt gliedert sich in verschiedene Blöcke, welche alle auch als Einzelveranstaltungen besucht werden können.

 

 

Zeitgeschichte Hautnah

Projekttag in Zusammenarbeit mit den Zeithistorikern Christoph von Hartungen, Carlo Romeo und Leopold Steurer. Der Projekttag beginnt am Sandhof in Passeier und endet am Siegesplatz in Bozen. Die jüngere Geschichte Südtirol wird an Originalschauplätzen erzählt. Jugendlichen wird breiter Raum gegeben, mit Zeithistorikern zu diskutieren.

 

 

Zeitzeugengespräch

Es geht um die Auseinandersetzung mit der Funktionsweise diktatorischer Regimes, dem hierarchischen Modell des korporativen Staates, der Aufhebung des Privaten in der „Volksgenossenschaft“, dem gelenkten Bildungs- und Informationssystem und ähnlichen Phänomenen einer „geschlossenen Gesellschaftsform“.

Das Projekt beginnt mit einer kurzen Einführung in die Methode der „oral history“, einer Einführung in den geschichtlichen Hintergrund, führt dann zur Ausarbeitung eines Fragenkataloges gemeinsam mit den Jugendlichen, gelangt mit dem Zeitzeugengespräch zum Höherpunkt der Veranstaltung und endet in einer moderierten Nachbearbeitung

 

 

Historische Filmtage

- Vormittags für Schulen mit evtl. darauf folgendem Zeitzeugengespräch

- Abends für alle

 

 

Tagesseminar in Gedenkstätte
Die Themenblöcken:

  • "Geschichte Konzentrationslager Dachau und der Weg zur Gedenkstätte" (Teilnehmerorientierte Vor- und Nacharbeit des Gedenkstättenbesuches)
  • "Propaganda und Wirklichkeit", "Sklavenarbeit und Überleben"
  • "Lernort KZ-Gedenkstätte Dachau -Menschenrechte"

§         Zielgruppenorientierte Konzeption (nach Absprache)

Dauer insgesamt: ca. 8-9 Stunden (einschließlich Mittagessen). Dieser Block ist für ein Wochenende ausgelegt mit Übernachtung im Jugendgästehaus Dachau.

 

Teilnahme an internationalen Sommerlagern

In einem Sommerlager arbeiten Jugendliche aus verschiedenen Nationen zwei bis ca. vier Wochen an einem gemeinnützigen Projekt, wohnen dabei zusammen und gestalten gemeinsam ihren Alltag. Thematische und Praktische Arbeit zu einem bestimmten Thema wechseln sich mit gemeinsamen Freizeitaktivitäten ab. Währenddessen können die Jugendlichen die anderen Teilnehmer und deren „Lebenswelt“ besser kennen lernen. Die Sommerlager werden von ehrenamtlichen Teamer/innen geleitet (welche meist selbst - wenn auch volljährige - Jugendliche sind). Das Programm wird gemeinsam mit der Gruppe besprochen und gestaltet, was die Selbstverantwortung und Eigeninitiative der Teilnehmer/innen anregt. Ein Sommerlager, als Form der interkulturellen Pädagogik, bietet die Möglichkeit, Jugendliche auf eine sehr praxisnahe Weise an die Thematik des Nationalsozialismus heran zu führen und durch das Arbeiten „vor Ort“ einen tiefen Eindruck von den Geschehnissen dieses dunklen Kapitels der deutschen/europäischen Geschichte zu bekommen, wie es kein Geschichtsbuch leisten kann. Gleichzeitig wird ein aktueller Bezug hergestellt: Durch das Zusammenleben in einer internationalen Gruppe werden Toleranz und Respekt gegenüber Menschen mit anderen kulturellen Hintergründen gefördert.

Dieser Projektblock ist für einen kleinen Kreis Jugendliche gedacht die aufgrund ihrer Bewerbung ausgesucht werden. Je „Sommerlager“ kann nur eine geringe Anzahl Jugendlicher aus einer bestimmten Region teilnehmen. Alle Teilnehmer/innen werten in einem Abschlusstreffen ihre gemachten Erfahrungen aus und diese werden der Öffentlichkeit präsentiert

 

 

Instant Acts

Fünfzehn internationale Künstler beweisen integrative und innovative Begegnungsformen. Mit Workshops tagsüber und einer temporeichen Bühnenshow als Abschluss wird den Besuchern ein abwechslungsreiches Spektakel mit Akrobatik, Tanz und Lifemusik zum Thema Gewalt und Rassismus geboten. Das Ensemble setzt sich aus jungen Schauspielern, Tänzern und Musikern zusammen, die weltweit mit Hilfe renommierter Institutionen ausgewählt werden. Das Workshopangebot richtet sich an Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren. Der Projekttag ist auch für Jugendliche konzipiert, die normalerweise nicht ins Theater gehen. Träger und Initiator des Projekts ist der in Berlin ansässige Verein Interkunst e.V. . Instant Acts ist an zwei Vormittagen im Oktober geplant. Ca. 160 Schüler können pro Vormittag an den Workshops teilnehmen. Am zweiten Tag findet dann zudem eine für alle offene Abendvorstellung statt.

INFO-CARD


Für den Herbst 2006 sind zwei Info-Card's in Ausarbeitung, welche die Thematiken "Rechte" Zahlen, Symbolik, Klamotten und Musik zum Inhalt haben.


 

Zeitplan

 

 

 

 

 

Block

Zeitrahmen

Ort

a) Zeitgeschichte Hautnah

 

Mai oder Herbst 2006

Passeier/Bozen

b) Zeitzeugengespräch

 

Mai oder Herbst 2006

juze kass- Brixen

c) Historische Filmtage

 

Herbst 2006

juze kass- Brixen

d) Tagesseminar in Gedenkstätte

 

Herbst 2006

Dachau

e) Teilnahme an int. Sommerlagers

 

Sommer 2006

noch offen

f) Instant Acts

 

Oktober 2006

juze kass- Brixen

g) INFO-CARD

Oktober, November

 

 

 

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