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Liebesgeometrie

 

Peter Oberdörfer: Gischt. Roman

Bozen raetia club, 2005

 

  

Peter Oberdörfer hat in seinem Debütroman „Gischt“ die emotionalen Kurven einer Dreiecksbeziehung sehr sorgfältig ausgemessen und auf die Unterlage einer Studentengeschichte übertragen. Herausgekommen ist eine über 200 Seiten starke Betrachtung über Leben, Lieben und Leiden einer Zwischengeneration, die nicht mehr zu den Blumenkindern gehört und noch nicht zu den Computerkids. In vielen Detailaufnahmen lässt Oberdörfer die achtziger Jahre Revue passieren – zwar ohne in Nostalgie zu schwelgen; aber ein ironisch apostrophierter Rückblick wäre möglicherweise dieser Kulisse gerechter geworden als die manchmal allzu akribische, beinahe museale Einarbeitung aller möglichen populären Epochenerscheinungen, denen aus heutiger Betrachtung ein leichter Geruch von Peinlichkeit anhaftet. Da werden Automarken, Filmtitel und Popgruppen aufgelistet wie in einem Versandkatalog, aber ohne jede Brechung, die ja aus der Erzählklammer der mehrfachen Rückblende, in der die Handlung gepackt ist, durchaus möglich gewesen wäre.

 

Dieser backlist-artige Zug haftet insgesamt ein wenig an der Handlung, in deren Zentrum ein sexuelles Experiment zu dritt steht, das die drei Protagonisten, die Studenten Hans und Willi und das Mädchen Claudia nach längerem emotionalem Hin- und Herlavieren wagen. In der serie von halbherzigen Auf- und Ausbruchsversuchen, der Ziel- und Konzeptlosigkeit, endlos vor sich her geschobener künstlerischer Pläne und nicht zuletzt auch einer politischen Desillusionierung einer ganzen generation könnte darin so etwas wie eine neue perspektive oder zumindest ein statement liegen – doch am Ende, so der Befund des Autors – holt die bürgerliche Gewöhnlichkeit die Protagonisten auf den Boden einer kleinstädtischen dreizimmerwohnung zurück.

 

Was dies alles mit dem Titel der Erzählung zu tun hat: einer der vier Erzählstränge, die sich drch die handlung ziehen, bezieht sich auf ein Mansukript, an dem der ehemalige Großschriftsteller in Spe und nunmehrige free lancer Wilhelm Gueraldi arbeitet, einem Porträt des Regisseurs F.W. Murnau, das den beziehungsvollen Titel „Gischt“ erhalten soll. Dieses Maunskript geistert zunächst erratisch durch die Geschichte, und trotz der recht interessanten Information über den Unfall, der zu einem frühen Tod des nach Hollywood ausgewanderten deutschen Regiestars der Zwanziger Jahre geführt hat, weiß man damit nicht recht was anfangen. Der link kommt erst im letzten Kapitel, in dem uns der Autor zum verschwundenen Will, der einem Kletterunfall zum Opfer gefallen ist und mit dem Hinterkopf an einem Felsen aufschlägt. Diese Verkettung allerdings ist ein eher mechanisch herbeigeführtes Konstrukt, an dem der Autor verbissen festhält, auch wenn es in die geschichte passt wie die sprichwörtliche faust aufs Auge.

 

Gut, es gibt ihm Gelegenheit, die geschichte ein wenig intellektuell aufzufetten. Denn in der stilführung und in den Dialogen orientiert sich Oberdörfer eher an sprachlicher belanglosigkeit, die gelegentlich in eine Sorglosigkeit abgleitet, wie man sie von früheren Kurt Lanthaler-texten kennt. Trotzdem scheint mir, dass der Autor die Schludrigkeit nicht zum Prinzip erhebt, denn das beweisen kleien Sprachfeuerwerke wie im Kapitel 50, das beinahe an Handkes grandiosen Rhythmus der Publikumsbeschimpfungen heranreicht, ohne sie zu imitieren.

 

 

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