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Roland Benedikter 

 

Ost  Mitte  West

Immer wenn ich an den Westen Europas denke, denke ich zuerst „Glas“. Sonst kommt mir nichts in den Sinn. 
Gläserne Halbdurchsichtigkeit voll gefangenen Lichts. Alles andere kommt später [...] Das Licht dient nicht mehr 
dazu, uns für andere sichtbar zu machen. Es soll uns selbst beleuchten und uns unablässig unsere eigene Existenz 
bestätigen. Wir spiegeln uns nicht mehr in fremden Augen. Unser Bild fällt auf ebene, kühle Flächen, und kommt erst 
dann zurück. Erst dann erhalten wir eine Bestätigung unserer eigenen fernen Anwesenheit.
(Andrzej Stasiuk: Logbuch, in: Mein Europa, Frankfurt am Main 2000)

 

Es gibt eine blicklenkende Typologisierung im Werk des bedeutenden estnischen vergleichenden Kulturforschers Herbert Hahn (1890-1970), die den Kern der heutigen Neu-Begegnung zwischen dem Osten und der Mitte Europas in Chancen und Problemen auf den Punkt bringt.

Sie lautet: Aus kulturpsychologischer Sicht sind die slawischen Völker, wie bereits die Ethymologie des Wortes „Slawe“ sagt, in ihrem zentralen, unbewußten Selbstverständnis „Menschen des Wortes“. Sie wollen „das Wort“ hören und verwandeln, weil sie wie niemand anders für seinen lebendigen Logos empfänglich sind. Aber dieses Wort muß zuvor aus der kulturellen Mitte Europas heraus in geeigneter Form - nämlich: seelisch durchdrungen - in den Osten hinein gesprochen werden, damit es dort aufgenommen und zu vertieft verwandelndem Leben gebracht werden kann.

Die Mitte Europas jedoch bleibt, so das Empfinden des Ostens, bisher stumm. Sie sagt jedenfalls nicht jenes Wort, das dieser aufnehmen könnte, sondern andere, eher intellektuelle Worte „kommunikativer“ oder „diplomatischer“ Art, die dafür nicht geeignet sind. Doch der Hörende des Ostens und der Sprechende der Mitte Europas: sie brauchen einander, damit „das Wort“ als gesamteuropäische Leistung wirklich werden kann.

Die heutige Kern-Frage zwischen Ost- und Kern-Europa lautet deshalb: Sind wir „Europäer der Mitte“ zum Erklingen-Lassen jenes Wortes bereit, das dem Osten eine neue Blüte der Kultur auslösen kann, welche dann ihrerseits auf ganz Europa zurückwirken kann? Oder haben wir auf das Sprechen des Wortes, und sogar nicht nur auf dieses: sondern auf seine grundlegende innere Gestalt: auf seine „Substanz“-Dimension vergessen?

 

I

Njemez und Slawa

 

„Dem Kenner der russischen und auch anderer slawischer Sprachen fällt auf, dass der Deutsche mit dem Namen njemez bezeichnet wird. Njemez aber bedeutet ‚der Stumme’. In weiterer Anwendung ist gelegentlich überhaupt der Westmensch als Stummer bezeichnet worden.

Banale Erklärungen für diese Tatsache liegen leicht auf der Hand; eine wirklich befriedigende und überzeugende ist schwer zu finden. Man könnte den Eindruck haben, dass die Volksseelen des Ostens, insbesondere die russische Volksseele, wenn sie ihr Ohr zum Westen neigen, von dort her ein Wort erwarten, das noch nicht erklungen ist. Oder wollte der Genius der Sprache zum Ausdruck bringen, dass dort ‚die Verstummten’ leben, die einst lebendig sprachen und jetzt nicht mehr? Das wäre wohl die Auffassung der im neunzehnten Jahrhundert in Russland auftretenden ‚Östler’ gewesen, jener, die nichts mehr vom Westen erwarteten. In njemez ist aber doch etwas wie ein mahnendes Anrufen spürbar.

Die ‚Slawen’ sind, wie wir im Zusammenhang von slawa und slowo, Wort, erleben, in der Tiefe Wort-Menschen, Wortsucher im umfassendsten Sinn. Warum wären sie ‚taub’? Gewiß nie und nimmer im trivialen Sinne. Oder hätten die Jahrhunderte währenden Vereinsamungen ihnen einen Riegel vor das Ohr gebaut, dass sie hören wollten und – nichts vernahmen? Oder wären sie weniger die ‚Tauben’, als die von rauschenden Lebenskräften vorläufig wie Betäubten?

Hier scheinen poetische Bilder und Etymologien vorzuliegen, die nur von der Geschichte entziffert werden können. Aber eines scheint sicher: Eine wirkliche, menschliche West-Ost-Begegnung wird erwartet, und in ihr ein ‚Wort’ des Westens, das heißt ein schöpferischer geistiger Wurf… Zweierlei ist gewiß: West und Ost haben sich in einer menschlichen Begegnung etwas zu sagen; und Europa darf, wenn sie sich nach Osten wendet, ihr im Westen gebildetes Antlitz nicht verlieren.“[1]

Neben Herbert Hahn haben es auch andere kultur- und völkerpsychologische[2] Forscher - wie etwa der US-amerikanische vergleichende Werte- und Evolutions-Psychologe Clare W. Graves (1914-1986)[3] - hervorgehoben: Der Osten scheint seiner charakteristischen kulturellen Begabung nach ein „Hörender“ zu sein, ein auf das entscheidende Wort Wartender, der, wenn es erscheint, mehr als die Mitte und der Westen ganz in es eintauchen kann. Durch dieses Eintauchen sucht er dessen Wirklichkeit, auch durch eigenes Opfer, zu vollenden, indem er sein Ich in die Objektivität des Wortes hinein auflöst. Die Mitte Europas aber wäre ihrem Begabungs-Charakter nach die - in sich selbst struktural unvollendbare, und daher stets unruhig und spannungsvoll auf das Zukünftige eines „objektiven“ seelischen Vollzugs ausgerichtete – „Vorstufe“ dazu. Die Mitte Europas ist die Hervorbringerin und Zur-Verfügung-Stellerin des Wortes aus dem Ursprung eines Ich heraus, welches sich bewusst an sich selbst als abgeschlossen und daher auch einsam erlebt und deshalb, wenn es genau und achtsam ist, beseelt sprechen kann. Diese Mitte braucht den Osten, um ihre subjektive Begrenzung zu überwinden in das Objektive eines „Logos“ hinein, welcher allein das Subjekt mit dem seelisch Tragenden und Befriedigenden eines Ganzen verbinden kann, das über das subjektiv abgetrennte Ich-Bewußtsein hinausweist. Genau dies kann sie allein nicht leisten. Deshalb bringt sie zwar dauernd Worte hervor, die aber selten befriedigen, weil sie nicht weiter tragen, als der Gesichtskreis des sich selbst problematisch, mit dem Blick ständig auf sich selbst gerichteten und dabei halbdurchsichtig gewordenen Subjekts reicht. Es sind Worte einer „gläsernen Halbdurchsichtigkeit voll gefangenen Lichts“, die nie das sein können, was sie sein wollen, und die in Selbstreferenzen erstarren müssen, wenn sie nicht durch die seelische Begabung des Ostens aus ihrer (notwendigen) gläsernen Erstarrung befreit werden.

 

II

Die gesamteuropäische Kultur-Aufgabe

 

Daraus ergibt sich typologisch die Kulturaufgabe Gesamteuropas, die seit den Umbrüchen der Jahre 1989-91 der Erfüllung harrt. Es ist die Verbindung des hochentwickelt-selbstbeobachtenden kerneuropäischen Nominalismus mit dem tendenziell entsubjektivierenden, weil auf die Genese eines Objektiven im Subjektiven ausgerichteten geistigen Realismus des slawischen Ostens.

„Was die Worte als Begriffe nicht vermögen, das leisten sie als Ideen“, läßt der österreichische Schriftsteller und Slawen-Freund Peter Handke (*1942) seinen Helden Gregor Keuschnig an zentraler Stelle in seinem frühen Roman „Die Stunde der wahren Empfindung“ (1975) sagen. Genau dies aber ist es, worum es im Spannungsfeld zwischen der Mitte und dem Osten Europas kulturtypologisch geht: Um den Übergang des Wortes vom subjektiven Begriff zur objektiven seelischen Idee.

Beide, Wort als bezeichnender, identifizierender und repräsentationaler Begriff und Wort als seelisch vollzogene Idee, haben ihre Vor- und Nachteile. Das Wort als Begriff ermöglicht Freiheit und distanziertes Gegenüberstehen zum Wesen des Dings im Ich; es befreit und vereinzelt. Das Wort als seelische Idee ermöglicht Eintreten und Aufgehobensein im Objektiven eines seelisch-geistigen Vollzugs; es verbindet, löst dabei aber das Kritische des Ich und seine begrifflich-unterscheidende Wach-Tätigkeit tendenziell auf. Beide Seiten des Wortes sind ohne einander wertvoll, aber unvollständig, und beide spüren das auch. Deshalb harren sie des Kontaktes, weil sie einander in ihren je einseitigen Begabungen brauchen, die sie ohne den anderen nicht zur von beiden unbewußt ersehnten Ganzheit: zur Freiheit in seelischer Objektivität vollenden lassen. Weil Handke das begriffen hat, wurde er als literarischer „Worte-Macher“ seit langem zum größten Brückenbauer zwischen Mitteleuropa und dem naheliegendsten slawischen Element, Serbien.[4]

Das Wort ‚Slawe’ heisst: Der Mensch des lebendigen Wortes, in dem sich Geist und Erde zum „objektiven“ Logos-Ereignis sinnvoller seelischer Wirklichkeit vereinen. So empfinden sich die Slawen selbst. Doch sie können, wie sie sehr wohl wissen, dieses Wort, um das in ihrem kulturellen Unbewußten historisch bis heute alles geht, selbst nur verwandeln, nicht hervorbringen, da sie aus ihrem kulturellen Kontext heraus nicht auf das Wort-generierende Subjekt, sondern auf das Objektive, Über-Subjektive des Logos zentriert sind. Der Anstoß zum Wort selbst muss deshalb in seiner subjektiv und rational geformten Konkretheit aus der Mitte Europas heraus zu ihnen herüberkommen. Deren Aufgabe wäre in genauer Komplementarität gerade nicht das Leben, sondern die Form des Wortes, sowie das sich selbst beobachtende Ich als seine ursprüngliche Träger-Substanz. Form und Ich: Diese beiden Pole sind dasjenige, was in der Mitte Europas das kulturelle Unbewußte mehr als alles andere beschäftigt, und daraus hervorgehend verschiedene Abarbeitungs-Formen annimmt.

Worum es aus gesamteuropäischer kulturtypologischer Sicht für die kommenden Jahre geht, ist daher, „das Wort“ aus der Mitte Europas in den Osten hinein so zu sprechen, dass es zwischen einseitiger Subjektivität (Mitte) und einseitiger geistiger Objektivität (Osten), zwischen dem „Ich der Mitte“ und einem „im Osteuropäisch-Slawischen aus den Tiefen Aufkeimenden und Werdenden“[5] als gemeinsame dritte Dimension wirklich werden kann. Nicht um die Überführung des „Wortes als Begriff“ zum „Wort als Idee“ (Handke) geht es, sondern um die Zusammenführung von Begriffs- und Ideen-Ebene des Wortes zu einem gemeinsamen, subjektiv-objektiven oder nominalistisch-realistischen Ereignis. Darin liegt, wenn man es genau betrachtet, der Willen des Wortes selbst. Wenn dabei laut Herbert Hahn kulturtypologisch-heuristisch die Mitte Europas mit der Aufgabe des „Ichs“ und des aus ihm keimenden Wortes als Begriff identifiziert werden kann, dann der Osten Europas mit der Aufgabe der empfindungshaften Verwirklichung seiner ideellen Substanz. Die Ich-Begabung der Mitte und die Empfindungsbegabung des Ostens Europas müssen sich wieder finden, damit das Ganze Europas in vollem Sinne Mensch sein kann:

„(Die kulturelle und geistige Aufgabe Mitteleuropas) erscheint uns so: es geht darum, die räumlich-geographische Lage der Mitte in eine geschichtliche Funktion der Mitte zu verwandeln… Zu den am meisten schöpferischen Friedenskräften gehören, wie wir glauben, die wirklichen Begegnungen zwischen Völkern. Es müssen Begegnungen (sein), in denen wir tiefer in die geistige Eigenart der anderen Völker eintreten, in denen wir ihr So-völlig-anders-Geartetsein achten und schätzen lernen, in denen wir sie in ihren eigenartigen und einzigartigen Zielen verstehen. Der Mensch, der von einem wahren Ich aus einem anderen wahren Du begegnet, findet sich selbst erst in einem höheren Sinne…

(Worin besteht die Aufgabe der Mitte?) Inmitten des mannigfachen Auf und Ab der Seelenentfaltung hat das Ich, von der Mitte des menschlichen Innenlebens her, eine Beziehung zu allen Arten und Abarten zu bilden. Sein wahres Wesen erblüht erst recht, wenn es jede Form der Seelenäußerung mit ebenso aktivem wie selbstlosem Interesse begleitet. Da ihm alles andere zum Problem wird, muß es auch sich selbst im höchsten Maße problematisch sein. Aus dieser Lage heben sich die Not und die Aufgabe der mitteleuropäischen Völker hervor, in deren Kultur die Licht- und Schattenseiten der Ich-Anlage erkannt werden können.

(Worin besteht die Aufgabe des Ostens?) In den der Empfindungsseelen-Welt naheliegenden Gaben der (slawischen), beispielhaft der russischen Volksseele erkennen wir die Möglichkeiten, die zu einer reichen Durchgeistigung des Seelischen führen können.

(Worin liegt das Ziel der Verbindung von beiden?) Das Geistige, von reifender und wachsender Ichkraft geformt, könnte dann, mit aller Wärme des Seelischen gepaart, als ‚Geistselbst’ auftreten...“[6]

 

III

Aspekte der Begegnung - zwischen „Wort“ und „Politik“

 

Aber wirken solche Schematisierungen auf dem Weg zu einer europäischen Kultur nicht eher hinderlich als befreiend? Sind sie im Zeitalter der „spät-aufgeklärten“, „post-metaphysischen“ (Habermas) „Postmoderne“ nicht eher befremdlich als progressiv? Nehmen sie nicht Zuordnungen vor, die von keinem realen Menschen in keiner der betreffenden Kulturen in solcher Einseitigkeit erfüllt werden - auch wenn sie ein in der „klassischen“ Tradition des europäischen Humanismus stehendes, gut gemeintes Ziel verfolgen?

Herbert Hahn war sich der Problematik der Blicklenkung durch makro-kulturelle Typologisierung wohl bewusst:

„Es ist fast überflüssig zu betonen, daß alle solche Angaben ihren wahren Wert verlieren, sobald sie durchschematisiert werden. Sie haben den Wert eines Kompasses. Denn selbstverständlich lebt der volle Reichtum aller Seelenfarben in jedem einzelnen Volk ebenso, wie er in jeder Menschenseele, mehr oder weniger latent, anwesend ist. Überall geht in unserem Zeitalter der einzelne seinen Weg. So wahr aber dieses auch ist, so wahr ist anderseits, daß er schon durch die Aufnahme einer bestimmten Muttersprache durch seine Volksseele mitgeprägt wird. In den (Kulturen und) Sprachen nun aber sind die durch den ‚Kompaß’ gewiesenen Seelenspielarten objektiv faßbar.

Es wird noch großer geistiger Anstrengungen und der Zusammenarbeit vieler bedürfen, um das geistige Grundbild des europäischen Völkerlebens, und so auch des außereuropäischen, mehr und mehr zu konkretisieren. Ich bin überzeugt, daß eine solche Arbeit dazu beitragen kann, das friedliche Miteinanderleben der Völker geistig zu begründen. Sie müßte Garantien schaffen, die nicht nur in Pakten da sind, sondern durch fortgesetzte geistig-schöpferische Taten.“[7]

Diese angestrebte „substantielle“ Verbindung zwischen Mitte und Ost geschieht heute, in der „Epoche der Kultur“ und der globalen „Renaissance der Religionen“ seit 1989-91, in der Tat weniger über politische, sondern zunehmend über kulturelle Wege: Über Sprach- und Kulturwege. Während politische Förderungen der Begegnung seit Jahren stetig zugunsten ökonomischer Kooperation abgebaut werden, erwachen alte Kulturwege zu neuem Leben.

„Kulturwege werden von Menschen geschaffen. Derjenige, der sich über eine ungemähte Wiese oder durch einen Urwald einen Pfad bahnt, hinterläßt eine Spur, die dann von den Nachkommenden allmählich zu einem Weg erweitert wird. Auch wenn dieser Weg einmal zuwachsen sollte, so hinterläßt er in der Natur doch eine erkennbare Narbe, die beispielsweise von der Luftarchäologie aufgefunden werden kann. Ganz ähnlich verhält es sich mit alten Kulturwegen. Oft werden nach Jahrhunderten wieder bestimmte Kontakte geknüpft und Verbindungen wieder aufgenommen, obwohl diese lange Zeit wie vergessen schienen.“[8] So schrieb mir Ende März 2006 der gegenwärtig vielleicht bedeutendste kerneuropäische Osteuropa-Experte Markus Osterrieder (*1961) aus Moskau.

Angesichts der heutigen politischen Verhältnisse scheint dieses Wieder-Aufnehmen tieferer Bezüge auf Sprach- und Kulturwegen allerdings nicht einfach. Es wird politisch und makro-strategisch nicht nur kaum gefördert, sondern ihm werden umgekehrt sogar viele Hindernisse entgegengebracht. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989-91 instrumentalisiert Putins Russland, nach wie vor die zentrale „slawische“ Leitmacht, die seit damals einsetzende allgemeine Neubesinnung auf Sprache, Kultur und Religion in nationalistischer Weise zur leichteren Steuerung einer autoritär „gelenkten“ Halb-Demokratie. Diese Tendenz wird unterstützt von der Überzeugung makro-strategisch leitender Kreise der USA, dass in Russland in den kommenden Jahrhunderten die nächste Menschheits-Hochblüte der Kultur stattfinden werde, eben als strukturale und systemische Genese eines subjektiv-objektiven Bewußtseins.[9] Diese sei aber durch das voraussichtlich unvermeidliche politisch-institutionelle Auseinanderbrechen des Riesenreiches in einen europäischen und einen asiatischen Teil (Sibirien), der sich künftig an China orientieren könnte, gefährdet oder zumindest nur in Modifizierungen möglich.[10]

Daher herrschen heute im anglo-amerikanischen Westen zwei Strömungen vor: Die eine versucht, sich mit Russland zu verbinden und seine Einheit machtpolitisch gegenüber China zu erhalten (Huntington, Condoleezza Rice); die andere sucht nach Strategien, das unvermeidliche Auseinanderbrechen Russlands zu beschleunigen und danach seine Neukonstitution so zu fördern, dass das übrig bleibende europäische Russland nicht zur Mitte Europas tendiert, sondern sich aufgrund ökonomischer, politischer und strategischer Bindungen langfristig eng an den anglo-amerikanischen Westen anschließen muß. Die Tendenzen der neokonservativen Führungsriege in Washington, Lobbyismus für den Beitritt der Türkei zu Europa zu betreiben, sind auch in diesem Zusammenhang zu sehen. Sie scheinen, neben anderen Faktoren, in zum Teil erstaunlich offen artikulierter Weise auch Teil der Strategie zu sein, Kerneuropa langfristig zu schwächen, um den Osten geistig und strategisch an sich binden zu können.[11]

Ob diese Annahmen auf künftige Verhältnisse nun in Wirklichkeit nur haltlose Spekulation oder potentielle Realität sind, ob sie nun berechtigt sind oder nicht: darüber gehen die Meinungen auseinander. Doch sicher ist: Sie generieren, weil sie handlungsleitend wirken, in jedem Fall ebenso konkrete wie weitreichende Auswirkungen auf das praktische, realpolitische und –gesellschaftliche Umfeld. Das haben wir im Balkan-Krieg 1999 gesehen, wo es seitens des Westens (in Gestalt des Eingriffs der NATO gegen den Völkermord seitens der Milosevic-Serben) makro-strategisch nicht zuletzt um „Abtrennung“ Serbiens von Europa ging. Und das haben wir zuletzt zum Beispiel an der Entwicklung der Ukraine seit 2004 gesehen. Die Parlamentswahlen in der Ukraine vom 26. März 2006 brachten eine „Retro-Revolution“ mit sich, in der der anti-europäische, russophile, ehemals durch die „orange Demokratie-Revolution“ abgewählte Viktor Jynukovych mit entscheidender Hilfe US-republikanisch-neokonservativer „Spin-Doctors“ (Meinungs-, Kommunikations- und Medienberater) an die Macht zurückkam. Das Ziel dieser „Strategie-Berater“, darunter Davis und Paul Manafort, zwei der wichtigsten US-Politikberater, ehemaliger Mitarbeiter Gerald Fords und Wahlkampfstratege Ronald Reagans und Georg W. Bushs) bestand offenbar darin, die Ukraine von Europa ab- und stärker an den Machtbereich Russlands rückzukoppeln.[12] Die Vermutungen angesehener internationaler Beobachterinnen und Beobachter gehen dahin, dass durch solche Hilfen in moderner Medialität und Sprach-„Kommunikation“ langfristig das „höhere Ziel“ verfolgt wird, die Ukraine wenn nicht formal, so doch faktisch zwischen einem europäischen und einem russischen Teil, zu teilen, wobei im wesentlichen der sogenannten „Huntington“-Linie der Trennung zwischen Europa und „dem Osten“: Krim, Novorissja (mit der gesamten ukrainischen Schwarzmeerküste) gefolgt werden soll.[13] Dies, um die Ukraine einerseits von Europa abzutrennen, andererseits, um sie seitens des Westens zu beeinflussen und dadurch auch indirekten, flankierenden Einfluss auf Russland ausüben zu können.

Die Gesamtentwicklung, die sich einerseits in diesen Zusammenhängen manifestiert, andererseits aus ihr ergibt, ist eine weitreichende Politisierung von kulturellen Motiven im weitesten Sinn. Denn letztlich geht es in diesem Spiel zwischen West, Mitte und Ost darum, wer sich mit dem seelischen Vollzug des Wortes als lebendiger Logos-Idee im Osten künftig wie verbinden kann: der anglo-amerikanische Westen oder die Mitte Europas. Samuel P. Huntington, der große Theoretiker der Politisierung des Kulturellen für das 21. Jahrhundert und Autor des „Kampfs der Kulturen“ (1996), spricht es strategisch offen aus: Der „slawische“ Osten Russlands ist nicht Teil Europas, und er wird entweder seinen eigenen Weg gehen, oder aber früher oder später wegen des unaufhaltsam zunehmenden ökonomisch-kulturellen Drucks in seinen östlichen Teilen an das rasch aufsteigende China fallen. Natürlich werden, sollte sich dies in den kommenden Jahrzehnten abzeichnen, viele Europäer dann sagen: Welcher Prophet ist Huntington doch gewesen, diese Trennlinie zwischen dem künftigen einigen Europa und dem Osten mit Grenze an der Ukraine vorhergesehen zu haben! In Wirklichkeit verfolgt Huntington aber weniger „objektive“ Analysen, sondern eine bewusste Herstellung von Verhältnissen durch „mind-building“, das heißt durch Meinungsmache bei den Intellektuellen, und über sie, in der allgemeinen Kultur, im vor-politischen Feld, das dann politikwirksamer wird als die Politik selbst – worin heute die neue Gesellschafts- und Politikbedeutung von Kultur und intellektueller Analyse liegt.[14] Huntington konstatiert nicht Realitäten, sondern stellt vielmehr durch seine Analysen, Typologisierungen zwischen acht großen Kulturkreisen und entsprechenden Zukunfts-Vorhersagen Realität aktiv und bewusst her. Wir sollten endlich unsere Naivität im Umgang mit den grossen „Welt-Strategen“ ablegen und ihre Schriften nicht daraufhin ansehen, was sie „wiedergeben“, sondern was sie mit diesen Schriften „tun“, das heißt, was die erkenntnisleitende strategische Intuition hinter diesen Schriften ist, die dann Wirklichkeit schafft. Was also „will“ und „tut“ Huntington, und mit ihm weite Teile der leitenden anglo-amerikanischen Führung? Und was „will“ und „tut“ Kerneuropa? Vor allem: Wer ist sich seines Wollens und Tuns bewusster – weil er nominalistische und geist-realistische Motive in langfristiger Blickrichtung miteinander verbindet?

 

IV

Europa heute: Zwischen Nicht-Mehr und Noch-Nicht

 

Es ist interessant, dass genau in dieser Konstellation, und genau zeitgleich mit der allgemeinen Politisierung der Kultur, die allerdings nicht nur in Russland, sondern weltweit zunehmend zu beobachten ist[15], in den slawischen Kern-Gebieten ein großer, vor-politischer Aufschwung der traditionellen Kultur vor allem in Gestalt einer Renaissance der religiösen Traditionen zu beobachten ist, in denen sich das „Objektive“ des östlichen Logos seit einigen Jahren mit großer Kraft neu zur Geltung bringt (was im übrigen auch ein wesentlicher Grund dafür war, warum der „pontifex maximus magnus“ Johannes Paul II. Russland wegen des Widerstands der Ost-Kirche und ihrem Pochen auf Eigenständigkeit in der „Kultivierung des Wortes“ trotz zahlreicher Versuche auf „Einigkeit der europäischen Christenheit“ nie besuchen konnte):

„Seit dem Ende des Kalten Krieges und dem Zusammenbruch der Sowjetunion erwacht in der Ukraine und in Russland vor allem in der jüngeren Generation ein Interesse an der Frage, ob das alte Ostslaventum auch aus anderen Quellen christliche Impulse empfing als nur aus Byzanz und der griechischen Orthodoxie. Ein wichtiger Kulturweg führte im frühen Mittelalter über die Ostsee in das nordwestliche Russland (Pskov, Izborsk, Novgorod, Klosterinsel Valaam) bis nach Kiev. Schwedische Varäger, insbesondere jedoch norwegische Vikinger wie die Könige Olav I. Tryggvason und Olav II. der Heilige wurden zu Vermittlern christlicher Einflüsse unter den Slaven, die ihren Ursprung in der atlantischen Hemisphere, in Irland und Britannien hatten. Und etwas später gründeten irische Benediktiner aus Regensburg ein ‚Schottenkloster’ in Kiev, das bis zum Mongoleneinfall bestand. Das iro-keltische Christentum mit seiner freiheitlichen, auf das Individuum gerichteten Spiritualität, die auch die Natur mit einbezieht, wird heute von Russen und Ukrainern neu entdeckt – nicht zuletzt auch als eine Kulturbrücke nach Europa, welche die von der Machtpolitik bestimmte, jahrhundertealte Ost-West-Teilung überwinden kann.

Kurz vor seinem Tod im Jahr 2002 begann der norwegische Anthropologe Thor Heyerdahl  mit  umfangreichen Ausgrabungen in Südrußland (Rostov am Don) und Aserbajdschan, um den Nachweis zu erbringen, daß die Mythe von der Abstammung der Asen aus der Region um das Schwarze Meer und ihr Zug unter der Führung von Odin-Wodan nach Norden tatsächlich auf historische Begebenheiten gründet. Jener uralte Kulturweg vom Schwarzen Meer und Kaspis bis zur Ostsee wurde im Mittelalter ‚Weg von den Varägern zu den Griechen’ genannt.

Selbst innerhalb der stark traditionalistischen, allen westlichen Einflüssen gegenüber sehr mißtrauisch eingestellten Orthodoxen Kirche Rußlands finden sich Priester, welche die Rechtgläubigkeit und spirituelle Wesensverwandtschaft der alten keltischen Kirche betonen. Man betont dabei, daß sich das irokeltische Christentum anders entwickelt habe, als das des päpstlichen Rom, und die Verbindungen zu den Ostkirchen nie abgebrochen habe. In Tver, einer der ältesten russischen Städte an der Wolga, hat Vater Aleksandr Schabanov seine Auferstehungskirche mit Ikonen irischer Heiliger wie des heiligen Patrick und Brendans des Seefahrers geschmückt. Tver lag einst an der Handelsroute, die von der Ostsee über Novgorod längs der Wolga bis an das Kaspische Meer führte. Und wohl nicht zufällig steht vor Vater Aleksandrs Kirche direkt am Wolga-Ufer ein Denkmal des russischen Seefahrers und Entdeckers Afanasij Nikitin, der im 14. Jahrhundert den Handelsweg nach Indien öffnete. In den letzten Jahren hat Vater Aleksandr eine ganz Reihe von Büchern über irische Heilige geschrieben, um seine orthodoxe Gemeinde mit deren Geisteswelt vertraut zu machen.

Zudem wird das heutige, allmähliche Wiederaufleben der alten Kulturverbindung über die Ostsee nach Westen von zahlreichen Menschen des russischen Nordwestens als Möglichkeit begriffen, sich längerfristig aus der erstickenden politischen wie wirtschaftlichen Umklammerung Moskaus zu lösen, dem Zentralismus von Macht und Geld andere, wenn auch noch so kleine föderalisierende Impulse entgegenzusetzen. Interessanterweise hat man sogar im Kreml vor kurzem erwogen, die Stellung Norwegens innerhalb Europas als Vorbild für die Gestaltung der Beziehungen Rußlands zur Europäischen Union zu nehmen.“[16]

Ebenso interessant ist auch, daß in dieser Lage Mitteleuropa sich weiter denn je von einer Kenntnis des Ostens entfernt hat. Seit 1989-91, dem Fall des Eisernen Vorhangs, hat sich zwar das gesamte Pattern Europas von einem feststehenden polaren System in einen Fluß hinein aufgelöst. Aber das hat bisher die Kenntnis Kern-Europas über seinen östlichen Nachbarn nicht erweitert – ganz im Gegenteil. Der anglo-amerikanische, „iro-keltische“ (Osterrieder) Westen scheint eine viel genauere Kenntnis des Ostens zu haben als die Mitte Europas. Das führt tendenziell dazu, dass auch der Osten, wie das Beispiel Vater Alexandrs zeigt, sich wieder stärker direkt mit dem Westen zu verbinden sucht, als Brücken in die Mitte zu schlagen.

Karl Schlögel hat diese paradoxale, aber von wichtigen Kreisen durchaus als wünschenswert betrachtete Situation so beschrieben: Der alte Osten, den wir mit Kommunismus und Rückständigkeit identifizierten, existiert nicht länger. Aber was an seine Stelle getreten ist, ist weder das Alte noch ein Neues. Es ist ein Nicht-Mehr und ein Noch-Nicht. Und dasselbe gilt für Europa insgesamt.[17]

„Immer wenn ich an einer Universität im Westen oder Süden Deutschlands unterwegs bin und sage, dass es von Berlin bis zur polnischen Grenze nur 80 Kilometer oder eine knappe Stunde Fahrtzeit im Zug sind, dann treffe ich auf ein ungläubiges Staunen. Es gibt die abenteuerlichsten Vorstellungen darüber, was ‚hinter Berlin’ ist. Man kann die Fremdheit immer noch an dem großen Erstaunen messen, das sich einstellt, wenn man zum ersten Mal Kontakt mit ‚dem Osten’ gehabt hat. Viele sind verblüfft, wenn sie zum ersten Mal in ihrem Leben in Krakau sind. Wenn sie die Warschauer Skyline der neuen Wolkenkratzer sehen, trauen sie ihren Augen nicht. Dass Krakau eine der ältesten Universitätsstädte ist, die man in einem Atemzug mit Padua, Oxford und Heidelberg nennen muss, leuchtet ihnen erst ein, wenn sie dagewesen sind. Kaum jemand weiß, dass die Hauptstadt Lettlands, Riga, neben Brüssel und Barcelona eines der Hauptzentren des europäischen Jugendstils gewesen ist. Viele sind hingerissen, wenn sie endlich einmal in Leningrad / Sankt Petersburg gewesen sind, und fragen sich, wie es kommt, dass dieses Zentrum europäischer Kultur so fernab, so weit weg, so außerhalb des westeuropäischen Horizontes liegt.

Dies betrifft nicht nur das Durchschnittsbewusstsein, sondern auch die Hochebene der Europapolitik. Noch immer ist das Bild von Europa westeuropa-zentriert. Man denkt zuerst an Brüssel, Strassburg, Luxemburg oder gar Maastricht, wenn man vom neuen Europa spricht, nicht aber an Prag, Warschau oder Budapest, obwohl von dort aus doch ganz Europa in Gang gekommen ist. Und kaum jemand denkt an Kiew, obwohl Kiew einmal die ‚Mutter aller russischen Städte’, das Zentrum der slawischen Christenheit gewesen ist.

Die Wahrnehmung Europas ist durchgängig asymmetrisch. Die östlichen Europäer interessieren sich weitaus mehr für das westliche Europa als umgekehrt. Millionen von Polen, Tschechen, Russen sind im letzten Jahrzehnt unterwegs gewesen und haben sich first-hand-Informationen und Eindrücke vom anderen Europa verschafft - eine vergleichbare Bewegung aus dem westlichen in das östliche Europa hat es nicht gegeben. Das liegt nicht nur daran, dass die Infrastruktur im Westen besser ist oder dass es im Westen mehr zu sehen gibt, sondern auch an einem mangelnden Interesse und an Uninformiertheit bei uns, im Westen. Auch wenn es partiell zutrifft, dass der Osten ‚rückständiger’ und nicht so modern ist, so ist das doch noch kein Grund für die phantastischsten Vorstellungen. Folgt man der Berichterstattung, so gewinnt man manchmal den Eindruck, dass der Osten nur noch aus Chaos, Zusammenbruch und Kriminalität besteht, und man wundert sich, wenn man da ist, dass die Kinder zur Schule gehen, ihrer Arbeit nachgehen und ihr - freilich anstrengendes - Leben führen. Kurzum: Auch östlich von Berlin ist Europa, ein anderes Europa, das es noch zu entdecken und zu verarbeiten gilt.

Europa lässt sich ja nicht einfach in statistischen Daten oder in der Angabe von Entfernungen in Kilometern erfassen, sondern es ist eine Sache des Kopfes, der kollektiven Erinnerungen, der nationalen Traumata oder Sehnsüchte. Das gilt natürlich besonders für so ein schwieriges und belastetes Verhältnis wie das zwischen den Deutschen und den Völkern des östlichen Europa. Auf Jahrhunderte einer faszinierenden und inspirierenden Kooperation folgte im 20. Jahrhundert eine Phase beispielloser Destruktion, in der das alte Netzwerk (mitteleuropäischer, R.B.) kultureller Beziehungen unterging. Nach dem deutschen Krieg und der deutschen Herrschaft von 1939 bis 1945 konnte nichts mehr sein wie zuvor. Selbst ein halbes Jahrhundert Friedenszeit kann solche Traumatisierungen nicht einfach löschen. Krieg, Verfolgung, Besatzungsregime, Weltanschauungskrieg unter Aufkündigung aller bis dahin geltenden Normen, Völkermord und schliesslich die Reaktion auf all dies in Vertreibung und ethnischer Säuberung - all das hat tiefe Spuren hinterlassen. Andererseits gilt aber auch: Jede Generation macht sich ihr eigenes Bild von der Welt und von der Vergangenheit. Mit neuen Erfahrungen, die man heute macht, kommt auch eine andere Geschichte in den Blick. Die jetzt heranwachsenden Europäer zeichnen sich ihre Europakarte neu. Und darin spielt die Gegenwart vielleicht eine größere Rolle als die Vergangenheit, von der die jungen Leute nur aus der Erzählung wissen können.

Das Verschwinden des Ostens zieht auch das Ende des alten Westens nach sich. Was Europa die ganze Nachkriegszeit über war, war es durch die Teilung der Welt. Nachkriegseuropa war die Opposition von ‚Demokratie und Diktatur’, von ‚Kapitalismus und Sozialismus’, von ‚Freiheit und Unterdrückung’. Dies sind ideologische Chiffren für die Existenz zweier Hemisphären, zweier verschiedener Formen des ‚way of life’. Die Teilung bestimmte die geistige Ökonomie des Kontinents. Sie definierte die Alternativen bzw. den Mangel an Alternativen. Man musste sich immer entscheiden. Die Losung Nachkriegseuropas war das Entweder-Oder, die Eindeutigkeit, das Ja oder Nein. Nun gibt es den Osten nicht mehr. Was dort entstanden ist, ist weder das Alte noch auch das Neue. Es ist ein Nicht-Mehr und ein Noch-Nicht. Es ist keine Diktatur mehr, aber auch noch keine richtige Demokratie, vielleicht eine Demokratur. Die Eindeutigkeit ist dahin. Der Westen hat seinen Feind im Osten verloren. Die Barbaren, ohne die der Westen offenbar nicht leben kann, kommen heute aus anderen Weltregionen. Was der alte Westen war, war wesentlich Antiwelt, also Anti-Osten, Anti-Kommunismus. Der Spiegel, in den der Westen geblickt hat, ist verschwunden.“[18]

 

V

Eine neue Logos-Kultur für das 21. Jahrhundert - die gemeinsame Aufgabe makro-kultureller Zusammenarbeit zwischen dem Osten und der Mitte Europas

 

Ja, tatsächlich: Der Spiegel, in den der Westen geblickt hat, ist verschwunden. Und deshalb sieht er in diesem Spiegel aus Glas nur noch sich selbst: „Gläserne Halbdurchsichtigkeit voll gefangenen Lichts“, in der immer nur eine „Bestätigung der eigenen fernen Anwesenheit“ zu finden ist, ein gläsernes Selbst-Ereignis, wie es Andrzej Stasiuk aus polnischer Sicht ausdrückte.

Das von Schlögel beobachtete, alles durchdringende, für alle Einzelerscheinungen Europas heute konstitutive „Nicht-Mehr und Noch-Nicht“ gilt aber nicht nur für den Horizont, sondern es gilt auch für das innere, grundlegende kulturelle Paradigma (das heißt: für das temporär erkenntnisleitende Vorteil des Selbstverständnisses und der Grund-Ausrichtung kultureller und politischer Korrektheit und legitimierbarer öffentlicher Diskursfähigkeit) im bisherigen Kern- oder „Mitte“-Europa insgesamt. Inwiefern?

Wir haben gesehen: Der Osten benötigt das Ich-gesättigte Wort, das er seelisch weiter verarbeiten kann, aus der Mitte, um selbst seine Sehnsucht zu stillen und seine Aufgabe zu erfüllen. Aber das heutige kulturelle und geistige Paradigma Kern-Europas ist, trotz gewisser Unterschiede in den Details, sowohl in Frankreich wie in Deutschland die „Postmoderne“, die sich als radikal nominalistisch, dekonstruktiv, kommunikativistisch und, vor allem, hüben wie drüben als ausdrücklich und pauschal anti-substantialistisch versteht. Diese Haltung schuldet sich den humanen, ideologischen und politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die bis heute in Mittel-Europa eine weitgehend pauschale Tabuisierung alles „Substantiellen“ zugunsten eines einseitig nominalistischen Kommunikativismus (Habermas) verursacht haben. Doch dieser postmoderne Kommunikativismus, der die kritische Selbstbeobachtung des Bewusstseins während seiner Bewusstseins- und Sprachakte programmatisch-normativ zur alleinigen Anspruchsberechtigung des Denkens erhebt, und alles darüber hinausgehende als unwissenschaftlich oder gar gefährlich brandmarkt, weil seiner Meinung nach aus jedem Substanz-Anspruch (aus jedem Anspruch des Wortes als Begriff, das Wort als Idee zu erreichen) ein Totalitarismus hervorgehen könnte. So berechtigt diese historisch begründete Angst im kulturellen Paradigma Kern-Europas (und nur dort ist sie in dieser Weise vorhanden) ist, so sehr ist ein solch einseitiger Nominalismus und „kommunikativer“ Diskursivismus nicht dafür geeignet, das „richtige“, aufnehmenswerte Wort zu sprechen, das dem Osten jene Seelennahrung sein könnte, welche er nun benötigte, um sie kraft eigener Anlage und Begabung zu höherer Blüte zu führ.[19]

Was Stasiuk oben über das Licht sagt („Das Licht dient nicht mehr dazu, uns für andere sichtbar zu machen. Es soll uns selbst beleuchten und uns unablässig unsere eigene Existenz bestätigen. Wir spiegeln uns nicht mehr in fremden Augen. Unser Bild fällt auf ebene, kühle Flächen, und kommt erst dann zurück. Erst dann erhalten wir eine Bestätigung unserer eigenen fernen Anwesenheit“): Das ist wie eine Beschreibung des Kerns der mittel-europäischen Postmoderne und ihrer aktiven paradigmatischen Grund-Überzeugung: Nur dieses Licht darf es geben, alles andere ist gefährlich und zu „dekonstruieren“. Damit soll ein „reif-aufklärerisches“ (Jean-Francois Lyotard) Programm beschrieben sein, das bei genauerem Hinsehen in Wirklichkeit aber nicht „reif“, sondern bloß „radikal“ ist, weil es sich auch noch gegen die phänomenalen Substanz-Erscheinungen der „objektiven“ Grundlagen des eigenen Wortes und des es tragenden Ich richtet. Und genau dieses vereinseitigte, verengte Verständnis von Licht, von Aufklärung ist der zentrale, innerste Kern des heutigen Hindernisses zwischen der Mitte und dem Osten Europas.

Die Transformation der Aufklärung hat in Kern-Europa nach 1945 zu einer Verdrängung pauschal aller geistrealistischen Aspekte geführt, die jedoch unweigerlich, wie immer mehr Postmoderne und Kommunikativisten (vor allem am Ende ihres Lebens) entdecken, in jeder Dimension eines menschlichen Bewusstseinsaktes unhintergehbar mitwirkt und anwesend ist.[20] In ihr liegt bereits das Faktum der Wort-Potentialität an sich begründet, die empirisch aller streng begrifflichen Fassung ideell vorausliegt. Der selbstbewusste Begriff kann nur erscheinen, weil ihm das Faktum des Logos als Ur-Ordnung vor-begrifflicher Art vorausgeht; gäbe es keine vor-begriffliche Faktizitäts-Struktur des Wortes, gäbe es auch keinen subjektanhängigen Begriff, der sich selbst beobachten und in seiner Ereignishaftigkeit bespiegeln könnte. Das ist aus empirischer Sicht eine logische Primär-Einsicht. Es ist nicht Mystik, sondern Logik. Doch das begriffliche Selbstverständnis Europas verdrängt in seinem kulturellen Kern heute aus historischen Gründen noch dieses letztlich unübersehbare, in seinem Kern geistrealistische Faktum, das es in seinen vor-totalitären Traditionen doch über Jahrtausende philosophisch-ideengeschichtlich am genauesten herausgearbeitet hat, und das die Ursprungs-Intuition der französischen Revolution, also der Geburt der modernen abendländischen Demokratie, entscheidend mit impulsiert hat. Genau wegen dieser Verdrängung aber erscheint das heutige kulturelle Paradigma Europas dem Osten wie „gläsernes, gefangenes Licht“: als eine in die Falle der Selbstbeleuchtung gegangenen Erhellung des Verstandes, dessen verborgenes Logos-Leben in gläserner Erstarrung zu begrifflichem Kristall erstickt ist. Ein höchst entwickelter aufgeklärter Verstand, der Licht hat, aber den Ursprung des Lichtes verdrängt hat – oder mit anderen Worten: dessen Denk-Vorgänge sich einseitig mit ihren kritisch begutachtbaren Denk-Inhalten identifizieren, damit jedoch das „objektiv“ Lebendige des Wort-Vollzugs in seiner meta-subjektiven Ontologie weitgehend ignorieren. 

Markus Osterrieder hat diesen alles entscheidenden, weil allen Einzel-Phänomenen vorausliegenden, zentralen kulturellen Sachverhalt der heutigen Neu-Begegnung zwischen der Mitte und dem Osten Europas im Spannungsfeld zwischen Philosophie, Ideengeschichte und Politik vor einiger Zeit in einer bemerkenswerten Polemik so auf den Punkt gebracht:

„Die zuerst in Moskau eingeübte und nun dem neuen ‚Großen Bruder’ in Washington entgegengebrachte Unterwürfigkeit vieler postsozialistischer Staaten entspringt nicht zuletzt einem tief verwurzelten, ‚alteuropäischen’ Kulturproblem, einem Misstrauen gegenüber den wahren Intentionen der westeuropäischen Nachbarn. Denn schließlich waren es die westlichen Aufklärer, welche die Vorstellung des ‚Ostens’ als einem minderwertigen, barbarischen, nicht mehr in die tradierten europäischen Wertvorstellungen und Verhaltensnormen passenden kulturellen und geografischen Raum erfanden und prägten. Wie der ukrainische Prosaist und Lyriker Jurij Andruchovyc einmal geistreich bemerkte, finde ein Schriftsteller, der aus Ostmittel- oder Osteuropa in den Westen komme, dort literarisch gesehen eine ideale Situation vor: Er kann über sein Land, über seinen Teil des Kontinents fantastische Geschichten erzählen, sie als die reinste Wahrheit verkaufen und sich danach zur Ruhe begeben, denn seine Erzählungen werden nie verifiziert werden. Einerseits, weil die Öffentlichkeit denkt, dort könne wirklich alles geschehen, andererseits, weil diese Länder (der Mitte und, R.B.) des Westens eher an eine literarische Fiktion als an real existierende Staaten erinnern.

Generell ist auffallend, wie selten in den gegenwärtigen europäischen Identitätsdebatten von der Kraft der Kultur oder gar des Geisteslebens die Rede ist, sofern man nicht die allerdings viel beschworenen ‚Traditionen’ meint. Vielleicht, weil Geistesleben im Wesen individuell entsteht, im Wesen Opposition gegen das Herrschende ist (deswegen die Versuche des Staates, es zu kontrollieren oder ganz zu ersticken). Vielleicht, weil dort die Urwunde der europäischen Krankheit verborgen eitert. Denn von diesem europäischen Geistesleben wollen die meisten Debattanten nur noch das gelten lassen, was man im anglo-amerikanischen Sprachgebrauch RRE nennt: Renaissance, Reformation, Enlightenment, und letzteres – die Aufklärung – endet im deutschen Kulturraum bekanntlich bei Kant: ‚Als Vordenker einer europäischen Union hat er durchaus seinen Platz. Ja, wir sind Kantianer!’, so etwa programmatisch die aufgeklärten Kantianer Ralf Dahrendorf und Timothy Garton Ash[21]. Für den späten Lessing, für Fichte oder Novalis ist da schon kein Platz mehr.“ [22]

Genau dies der wichtigste Trennungs-Grund zwischen der Mitte und dem Osten Europas in der Tiefe! Hier muß gearbeitet, erweitert, überwunden werden, aber, wie Herbert Hahn sagt, ohne dass Europa beim Blick in den Osten ihr im Westen gebildetes, kritisch-dekonstruktives und aktiv selbstbeobachtendes Ich-Antlitz verlieren darf, welches wir in seiner höchsten Ausprägung der Postmoderne verdanken. Nicht um eine Rückkehr zu einem in neuer Weise einseitig realistischen, sondern der Ich-bezogene Fortschritt zu einem innovativem, subjektiv-objektiven Paradigma ist das Ziel und muß das Ziel makro-europäischer Kulturzusammenarbeit der kommenden Jahre sein, wenn wir als Mitte Europas „das Wort“ finden wollen, das der Osten „gebrauchen“ kann für dasjenige, was „im Osteuropäisch-Slawischen aus den Tiefen Aufkeimen und Werden“[23] will.

 

VI

Die gegenwärtige geistige Herausforderung Mitteleuropas durch den Osten:

Fortschritt von der einseitig säkularen „Postmoderne“ zu einem subjektiv-objektiven Kultur-Paradigma

 

Nicht zufällig wird die oben wiedergegebene programmatische Identitäts-Aussage für das künftige Europa: „Ja, wir sind Kantianer!“ von Ralf Dahrendorf und Timothy Garton Ash, also von einer Achse zwischen Mitteleuropa und der anglo-amerikanischen Welt, gesprochen. Hier wirkt wieder derselbe unbewußte - oder bewusste? - Mechanismus, der den Osten zu „einer anderen Welt“ deklarieren – und Mitteleuropa letztlich von Osteuropa abkoppeln will. Denn mit Kant ist der Osten in seinen eigentlichen, tieferen kulturellen Sensibilitäts-Schichten nie so zu erreichen, wie es zwischen „dem Hörenden“ und „dem Stummen“ sein soll und sein kann. Kant ist vielmehr, trotz aller Errungenschaften, die unhintergehbar sind, weil auf ihnen die gesamten liberalen Gesellschaftsorndungen Europas gründen, in kulturparadigmatischer Sicht der nominalistische Ausschluß des geistrealistischen Ostens aus der Legimitation des Lichts; er ist die Selbstbeschränkung der Mitte auf eine „gläserne Halbdurchsichtigkeit voll gefangenen Lichts“, die „dazu dient, uns selbst zu beleuchten und uns unablässig unsere eigene Existenz zu bestätigen.“ So wichtig das ist, es ist nicht genug. Nicht um ein Zurück hinter Kant, wohl aber um ein Hinaus über Kant bei voller Aufrechterhaltung seiner Errungenschaften muß es Mittel-Europa heute in der Grundlagenarbeit an seinem Kulturparadigma gehen, wenn es den Osten erreichen will, statt ihn „dem Westen“ zu überlassen. Der Westen ist kulturtypologisch die Form, nicht das Wort.[24] Die Mitte ist das Ich als Ereignis, als begriffsschaffender Vollzug. Der Osten braucht zunächst letzteren, weil er damit seelisch arbeiten kann eher als mit den noch stärker auskristallisierten Begriffs-„Formen“ des Westens.

Daß die „postmoderne“ Aufklärung Europas gerade in ihrer Einseitigkeit in einem intersubjektiven Nominalismus, im Osten zunehmend als einseitig erfahren wird, und dass hier der Hase im Pfeffer liegt, ist längst weniger an politischen, als vielmehr an einer Vielzahl von öffentlichen Kultur-Ereignissen absehbar. Sie erfüllen eine Seismographen-Funktion, die heute gerade von der Politik noch immer unterschätzt wird. Als der ukrainische Dichter Andreij Andruchovich 2006 den Leipziger Buchpreis entgegennahm, klang in seiner Dankesrede „Europa, meine Neurose“ nicht zufällig ausdrücklich der Appell an den „Stummen“ an, endlich das Wort zu sprechen, das aufgenommen werden könnte. Andruchovich brandmarkte das „Schweigen“ der Dichter und Intellektuellen der Mitte Europas zu den Vorgängen in der Ukraine, deren „Wort“ doch sehnsüchtig erwartet würde. Und er verweist auf die Zentralstellung kulturparadigmatischer Substanz-Werte, die Europa unter dem Einfluß des „postmodernen“ Paradigmas verloren habe, weshalb es heute in seinem kulturellen Unbewußten in Wahrheit nur darauf bedacht sei, sich gegen den „substantialistischen“ Osten zu verteidigen:

„Am 20. Februar 2006 erschien ein Interview von Herrn Verheugen in der Zeitung Die Welt. Als Antwort auf die Frage des Journalisten nach der Zukunft des Vereinten Europas sagte er: In 20 Jahren werden alle europäischen Länder Mitglied der EU sein – mit Ausnahme der Nachfolgestaaten der Sowjetunion, die heute noch nicht in der EU sind.
Die Aussage von Herrn Verheugen übt eine verheerende Wirkung auf mich aus. Wieder einmal schließe ich mit meinen Hoffnungen ab und erlaube mir, alles zu sagen, was ich empfinde. (…)

Im Dezember 2004, im wundersamen Augenblick zwischen der Vollendung unserer orangefarbenen Revolution und der Wiederholung des zweiten Wahlgangs der Präsidentschaftswahlen, bekam ich die Möglichkeit, in Straßburg vor Europaparlamentariern aufzutreten. Der Kern meiner Botschaft bestand darin, dass ich sie bat, und mit ihnen die ganze europäische Gemeinschaft, einem gewissen verfluchten Land zu helfen, sich selbst zu retten. Ich sagte ihnen, was ungefähr ich gerne von ihnen hören würde: dass Europa auf uns wartet, dass es ohne uns nicht auskommen kann, dass es in seiner Ganzheit nur mit der Ukraine gelingen wird. Heute ist endgültig klar, dass ich zu viel erbeten habe.

Seitdem sind 15 Monate vergangen, von denen ich zwei Drittel hier bei Ihnen gelebt habe. Also – ich erlaube mir, sarkastisch zu werden – in Europa. In dieser Zeit habe ich Dutzende von Interviews, öffentliche Diskussionen, Runde Tische und weitere Dutzende von Lesungen absolviert. Während meiner Auftritte wurde ich fast ausschließlich zum Retranslator einer einzigen, eigentlich gar nicht so abwegigen Idee – auch wir sind in Europa. Die letzten fünf Worte sind ein Zitat, sie wurden Ende des 19. Jahrhunderts, also vor 110 Jahren, formuliert. Mit diesen Worten wollte der Publizist, Essayist und Übersetzer Iwan Franko die Aufmerksamkeit der bewussten Europäer auf die unerträgliche Außenseiterposition der Ukrainer in Galizien und der Ukrainer überhaupt lenken. Es ist eine sehr schmerzhafte Formulierung, hören Sie doch nur: Auch wir sind in Europa. Ein einsamer Rufer in der Wüste.
Das ist 110 Jahre her, aber die Notwendigkeit, diese Losung zu retranslieren, besteht noch immer – ist eher noch größer geworden. Also habe ich versucht, bei jeder Gelegenheit davon zu reden, denn Ihre Hilfe für dieses verfluchte Land, in dessen Sprache ich schreibe und mich erkläre, ist für mich lebensnotwendig. Und es wäre gar nicht so fantastisch schwer, diese Hilfe zu leisten. Sie bestünde lediglich in einem: nichts formulieren, was die Hoffnung tötet.

Es hat sich gezeigt, dass all meine vielen Auftritte vergeblich waren. Vielleicht habe ich zu undeutlich und zu leise gesprochen. Die Europäische Verständigung hat nicht stattgefunden. Es passiert (heute) genau das Gegenteil von dem, worauf ich so gehofft hatte. Genau das Gegenteil von europäischer Verständigung…

Inzwischen kommen mir immer mehr böse Ahnungen und Vermutungen. Ich weiß, dass sie zumindest taktlos sind, aber ich kann mich ihnen nicht entziehen. Zum Beispiel: Vielleicht hat Europa einfach Angst? Vielleicht hat es Angst vor Europa, vor sich selbst? Vielleicht verschließt es sich gerade deswegen vor uns, weil wir uns seine Werte so sehr zu Herzen genommen haben, dass sie zu unseren Werten wurden? Weil es nämlich selbst schon lange keinen Bezug mehr zu diesen Werten hat? Und das, was es im Grunde anstrebt, ist – sich nicht zu verändern. Und gerade diese Unfähigkeit, sich zu verändern, pflegt es insgeheim als höchsten Wert?

Was genauso bedauerlich ist – keine einzige Intellektuellenstimme von deutscher Seite, die zumindest die(se) Logik in Frage gestellt hätte. Kein Schriftsteller, Philosoph oder Wissenschaftler, der einfach nur laut daran gezweifelt hätte, dass die ukrainische Gesellschaft wirklich durchweg aus Verbrechern und Nutten besteht, die alle ins heilige Schengengebiet eindringen wollen, um Wohlstand und Sicherheit der Alteingesessenen zu gefährden. Natürlich werde ich freudig diejenigen unter Ihnen hundertmal um Verzeihung bitten, die mir sagen, dass ich etwas übersehen habe und dass solche Stimmen doch erklungen sind. Aber ich fürchte, ich muss mich nicht entschuldigen…

Ich möchte Sie heute alle zusammen einladen, meine Komplizen zu werden gegen diese Unfähigkeit. Vielleicht besteht Europa wirklich zu 99% aus Verheugens, aber ich kann nicht aufhören, an das letzte Prozent zu glauben. Zu wissen, dass es existiert, ist sehr wichtig für mich. Denn wieder muss ich ganz von vorn beginnen. Ich muss mich damit abfinden, dass meine bisherigen Romane einfach schlecht sind - und einen neuen beginnen. Ich muss daran glauben dass, ungeachtet der erwähnten 99%, Bücherschreiben nicht nur die Welt verändern kann, sondern auch Europa. Ich muss trotz allem dankbar sein – Sie haben mich vielleicht nicht gut hören können und nicht wirklich verstanden, aber Sie haben es wenigstens versucht… Vor allem aber danke ich Ihnen für diese Gelegenheit – zum ersten Mal mit all der bitteren Offenheit zu Ihnen sprechen zu können, die sich während dieser 15 Monate zwischen Straßburg und Leipzig in mir angesammelt hat.“[25]

 

VII

Vorausschau und Ausblick

 

Ob das nun wirklich in dieser Pauschalität so ist, dass Europa seine „Werte“ verloren hat, und was diese Werte nach der französischen Revolution tendenziell eher sein können und sollen: Systemwerte (Demokratie) oder Geist-/Kulturwerte (Humanismus), darüber wäre trefflich zu streiten. Sicher ist, dass der Osten das Kulturleben der Mitte unter der auch nach dem 11. September 2001 noch immer weitgehend einseitigen Herrschaft der „Postmoderne“ und ihres „kritischen Nominalismus“ oder „intersubjektiven Kommunikativismus“ als „gläsernes Licht“ empfindet: Als Licht zwar, als in höchstem Maße in jedem Augenblick selbstbewusstes und aufgeklärtes Licht, aber doch noch nicht als ein Licht, das der Osten als das seine empfinden kann, weil ihm die Anerkennung und Inklusion der „objektiven“, dem Subjekt zugrunde liegenden und zugleich über es hinausweisenden Substanz-, der Logos-Dimension „des Wortes“ fehlt.

Das ist die Grundlage, an der nun anzusetzen ist, wenn sich die Beziehung zwischen der Mitte und dem Osten Europas weiterentwickeln soll. Es handelt sich weniger um eine politische, als vielmehr um eine kulturparadigmatische Aufgabe. Das Empfinden des mitteleuropäisch aufgeklärten Lichtes als „gläserne Halbdurchsichtigkeit“, die nur noch sich selbst bespiegelt, wird, ob diese Empfindung nun berechtigt ist oder nicht, als Wirklichkeit erfahren. Und darum ist sie eine Wirklichkeit, die Wirkungen produziert und Wirklichkeiten hervorbringt. Geistige, kulturelle, gesellschaftliche und politische Wirklichkeiten, die, wie wir wissen, immer aus einer Mixtur von Empfindungen, Eindrücken und realen Verhaltensweisen besteht.

Was also ist zu tun? Karl Schlögel hat dazu die eine wichtige Dimension benannt, die zivilgesellschaftliche Schiene:

„Das neue Europa entspringt nicht dem Kopf des Zeus, sondern wächst von unten. Dabei kann uns der neue Osten einiges lehren. In den letzten 10 Jahren haben die Menschen im östlichen Europa eine große Umwälzung miterlebt und mitgetragen, von der alle befürchtet haben, sie würde in einer politischen und sozialen Katastrophe enden. Trotz der schrecklichen Kriege in Jugoslawien und im Kaukasus ist die ‚Transformation’ im Großen und Ganzen auf friedliche und humane Weise abgelaufen. Obwohl sich die Lebensverhältnisse, einer ganzen Gesellschaft auf zum Teil drastische und brutale Weise geändert haben, kam es zu keinen Aufständen, Revolten oder militanten Konflikten. Die Menschen haben ein Höchstmass an gesellschaftlicher Disziplin, an politischer Weisheit und Geduld an den Tag gelegt. Konfrontiert mit fast ausweglosen Alltagssituationen, rapider Umstellung der Lebensverhältnisse, haben sie die Nerven behalten, verfielen nicht in Hysterie und Panik und entwickelten ein Höchstmass an schöpferischer Improvisation. Dieses wachsende Europa ist nicht identisch mit den strategischen Europaplanungen in Brüssel, Luxemburg und Strassburg… Europa ist auch, was nicht zur EU gehört. Auch das östliche Europa gehört zu Europa… Gesellschaften wie die polnische etwa haben demonstriert, dass tief greifende und nachhaltige Umwälzungen, die von den Menschen selbst verstanden und gewünscht werden, auch mit ihnen durchgeführt werden können. Dieses Vertrauen auf die Selbsttätigkeit der Bürgergesellschaft ist aber die wichtigste Voraussetzung für das Gelingendes neuen Europa.“[26]

Das ist gewiß das eine. Auf der internationalen Zivilgesellschaft ruht auch ein guter Teil meiner Zukunfts-Hoffnungen.[27] Doch wichtiger noch scheint mir ein zweites: Die kulturelle, die kulturparadigmatische und ideengeschichtliche Schiene der Transformation. Aus kultureller und geistiger Sicht ist heute notwendig, dass sich Mittel-Europa in seinem paradigmatischen kulturellen Kern, der derzeit einseitig nominalistisch konstituiert ist, um einen neuartigen, selbstkritisch-empirischen Geistrealismus nicht konfessioneller, sondern individualitätszentrierter Art ergänzt – und damit aktiv und bewusst am Übergang von einem subjektivistischen zu einem subjektiv-objektiven Paradigma baut, in dem im übrigen auch der Neu-Anschluß an die eigentliche, eigenständige Größe jener seiner ideengeschichtlichen und geistigen Traditionen liegt, welche von den Nazis abgebrochen und zum Teil zerstört wurden.[28] Das ist nicht zuletzt deshalb notwendig, weil die slawischen Kulturen in ihrem unbewußten kollektiven Zentrum tendenziell geistrealistisch konstituiert sind, und daher Habermas, Derrida, Lyotard, Rorty oder Eco zwar mit Interesse, aber letztlich nur mit Halbbefriedigung lesen können.

Sicher ist: Was wir zum Gelingen der Neu-Verständigung zwischen der Mitte und dem Osten Europas benötigen, damit „der Hörende“ und „der Stumme“ wirklich miteinander zu sprechen - und einander nicht nur an-, sondern „aufzunehmen“ beginnen, ist ein subjektiv-objektives Paradigma: Die Ausbalancierung des bisher einseitigen säkularen Nominalismus Kern-Europas, welcher noch immer eine Anomalie ist, die den geistigen Verwüstungen der Nazis und des Kommunismus geschuldet ist und bis heute in den intellektuellen Eliten als Tabubildung gegenüber realistischen Dimensionen des Erkennens und in der Welt Seins nachwirkt, um geistrealistische Paradigmen, womit auch der Verzicht auf „Anpassung“ Russlands an das postmoderne Aufklärungs-Paradigma oder gar an ein angelsächsisches Kulturmodell verbunden sein muß. Dem bisher tatsächlich noch weitgehend ungeformten und zum Teil chaotisch-„fließenden“ gesellschaftlich-kulturellen Zustand des Ostens muß zunächst in erster Linie zu einem stärkeren Selbstbewusstsein verholfen werden dadurch, dass sein stets gegenwärtiger, innerer Geistrealismus, in dem alles Leben einer Transzendenz ist, welche die äußere Welt gewissermaßen nur seelisch berührt und deshalb oft auch vernachlässigt, aus sich selbst heraus zu einem begrifflichen Selbstbewusstsein gehoben wird, wozu der selbstkritisch-Ich-zentrierte Nominalismus der heutigen Postmoderne nötig, ja unverzichtbar ist. Auch aus östlicher Sicht kann es in progressiver Blickrichtung nur um die Verbindung zwischen Realismus und Nominalismus gehen, weil erst dadurch umfassende Modernisierung möglich wird. Erst wenn dieser Forschritt zu einem subjektiv-objektiven Paradigma auf beiden Seiten gelingt, wobei sich die Mitte um eine objektive, der Osten um eine subjektive Paradigmen-Dimension ergänzen wird müssen, dann kann der weitere Austausch, auch bei weiterhin schwierigen politischen Verhältnissen zwischen autoritär „gelenkten“ Demokratien des Ostens und in der Krise befindlichen Demokratien der Mitte und des Westens auf der tiefsten, wirklichsten, wenn auch unsichtbarsten und langwierigisten, notwendig durch unsichere und brüchige Inkubationszeiten hindurchgehenden Dimension gelingen: der Kultur. Damit ist eine große Kulturaufgabe für unsere Generation umrissen.

Aber kann solcher Paradigmen-„Fortschritt“ überhaupt gelingen? Sollten wir nicht besser einfach praktisch handeln, statt an kulturellen Paradigmen zu arbeiten, was ja stets eine unsichere und problematische Sache mit ungewissem Ausgang ist? Ist all dies nicht eine allzu idealistische Vorstellung, weltfremd und letztlich ohne Grundlage in der „harten“ Wirklichkeit der Gegenwart?

Vielleicht, vielleicht auch nicht. Das werden wir sehen. Wir sollten es möglicherweise ganz einfach versuchen. Wir sollten die geistige Inkubationszeit zwischen Ost und Mitte an der „Brücke des Wortes“ beginnen lassen und uns, in durchaus kritischer Nachfolge der „Slawophilie“ des 19. Jahrhunderts, welche durch die unseligen Ereignisse des 20. Jahrhunderts, des „Jahrhunderts der Extreme“ (Eric Hobsbawm) so lange unterbrochen wurde, und welche zuletzt der österreichische Dichter Peter Handke mit seiner umstrittenen Milosevic-Rede am Grab des Verstorbenen am 18. März 2006 zu Recht, wenn auch, wie vielleicht heute auch noch gar nicht anders möglich, zutiefst und radikal ambivalent und abgründig neu beschwor[29], neu „mit dem Osten anstecken“ – und den Dialog zwischen „dem Stummen“ und „dem Hörenden“ endlich dort neu zu beginnen, wo er beginnen kann und beginnen muß: am Wort und seiner spezifischen Wirklichkeit im Ereignis zwischen Ich und objektivem Logos. Oder wie es Friedrich Hebbel in weiter Vorausschau in seinem bisher noch immer wenig verstandenen, von Herbert Hahn wiederentdeckten Gedicht „Zwei Wanderer“ ausdrückte:

 

Ein Stummer zieht durch die Lande,

Gott hat ihm ein Wort vertraut,

Das kann er nicht ergründen,

Nur einem darf er's verkünden,

Den er noch nicht geschaut.

 

Ein Tauber zieht durch die Lande,

Gott selber hieß ihn gehn,

Dem hat er das Ohr verriegelt,

Und jenem die Lippe versiegelt,

Bis sie einander sehn.

 

Dann wird der Stumme reden,

Der Taube vernimmt das Wort.

Er wird sie gleich entziffern,

Die dunkeln göttlichen Chiffern,

Dann ziehn sie gen Osten fort.

 

Daß sich die beiden finden,

Ihr Menschen, betet viel.

Wenn, die jetzt einsam wandern,

Treffen einer den andern,

Ist alle Welt am Ziel.“[30]

 

Autorennotiz

 

Roland Benedikter, Dott. Dr., geboren 1965, ist Offizieller Mitarbeiter am Bericht an den Club of Rome 2003 „Limits To Privatization“ (Ernst Ulrich von Weizsäcker), ständiger Lehrbeauftragter für interdisziplinäre Kultur-, Sozial- und Politikwissenschaften an der Universität Wien, der Universität Innsbruck und an der Freien Universität Bozen, Mitarbeiter des Instituts für Ideengeschichte und Demokratieforschung Innsbruck. Benedikter ist Autor und Herausgeber von 15 Büchern, von mehr als 150 Aufsätzen in internationalen Fachzeitschriften und von mehr als 40 Interventionen in Tages- und Wochenzeitungen Deutschlands, Österreichs, Russlands, der Türkei und Italiens. Derzeit ist er Forschungsstipendiat Humanwissenschaften 2005 der DAMUS Stiftung für wissenschaftliche Zwecke Mannheim. Verlags-Homepage mit unabhängigen internationalen Stimmen zu seinem Werk: www.passagen.at/autoren/benedikter.html. Weitere unabhängige Informationen: www.google.de, Suchbegriff „Roland Benedikter“. Kontakt: rolandbenedikter@yahoo.de.

 


[1] H. Hahn, Vom Genius Europas. Begegnung mit zwölf Ländern, Völkern, Sprachen, Band 1: Einführung, Band 4: Russland – Deutschland, und Band 4, Nachwort, Stuttgart 1992 (Erstausgabe 1963-64), S. 378ff., hier: S. 387-388.

[2] Die prinzipiellen, methodischen und strukturellen Probleme „völkerpsychologischer“ Forschung, gerichtet auf ein philologisch-historisch rekonstruierbares „kulturelles Unbewußtes“ der Nationen nach 1945 sind Probleme, die für die Ergebnisgewinnung und Wirkungsweise dieser Forschung mit konstitutiv sind. Sie dürfen gerade unter den gegenwärtigen Bedingungen eines dekonstruktiven „postmodernen“ Kultur-Paradigmas Kern-Europas keineswegs vernachlässigt werden, können hier aber aus Platzgründen nicht diskutiert werden. Trotz dieser unübersehbaren Probleme scheint mir die „empirisch-phänomenologische“ Tradition europäischer Kulturforschung, wie sie bei Herbert Hahn nach dem Bruch der totalitären Regime 1922-1945 meisterhaft neu grundgelegt ist, gerade heute, im Zeitalter der Kultur und der globalen „Renaissance der Religionen“, in geeigneter Form – das heißt: ausdrücklich nicht als Ersatz, sondern als zu anderen Verfahrensweisen komplementäre heuristische Hypothesenbildung für die Gewinnung verwertbarer Beobachtungs-Resultate - wiederaufnehmenswert.

[3] Siehe www.clarewgraves.com.

[4] P. Handke, Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina, oder: Gerechtigkeit für Serbien, Frankfurt am Main 1996. Siehe dazu näher bereits P. Handke, „Durch eine mythische Tür eintreten, wo jegliche Gesetze verschwunden sind“, in: R. Fellinger (Hg.), Peter Handke, Frankfurt am Main 1985, S. 234ff.

[5] Hahn, a.a.O., S. 391.

[6] Hahn, a.a.O., S. 389-392.

[7] Hahn, ebda.

[8] M. Osterrieder, Brief an den Autor, jetzt: Archiv des Autors. Vgl. M. Osterrieder, „Keltisches“ Rußland: Eine seminaristische Erfahrungsreise in den russischen Nordwesten – auf der Suche nach keltisch-christlichen Spuren, 16.–28. Juli 2006. Nähere Auskünfte und Prospekt: Dr. Markus Osterrieder, Tel./Fax: 0049-(0)89–8545165, www.celtoslavica.de/rus-in/.

[9] Vgl. A. Reuveni, Im Namen der „Neuen Weltordnung“.  Vom unzeitgemäßen Herrschaftswillen und seinen Trägern in der Weltpolitik, Dornach 1994; sowie C. Quigley (bedeutendster Schüler Arnold Toynbee’s und einflussreicher Lehrer Bill Clintons), Tragedy and Hope. A History Of The World In Our Time, New York 1966; ders., The Anglo-American Establishment, New York 1981.

[10] Ebda.

[11] Vgl. dazu näher mein Buch Nachhaltige Demokratisierung des Irak? Sozio-kulturelle und demokratiepolitische Perspektiven, Wien 2005.

[12] Vgl. dazu z. B. J. Page, American Spin Doctors Turn Ukraine's Orange Revolution Into Blue, in: http://www.theaustralian.news.com.au/common/story_page/0,5744,18639339%255E2703,00.html, 29.03.2006.

[13] Page, a.a.O.

[14] Vgl. J. Habermas, Vorpolitische Grundlagen des demokratischen Rechtsstaates?, in: Ders., Zwischen Naturalismus und Religion. Philosophische Aufsätze, Frankfurt am Main 2005, S. 106-118.

[15] Vgl. dazu u. a. C. Wieland, Nationalstaat wider Willen: Die Politisierung von Ethnien und die Ethnisierung der Politik, Frankfurt am Main 2000.

[16] M. Osterrieder, „Keltisches“ Rußland, a.a.O.

[17] Vgl. K. Schlögel, Europa testet seine Grenzen. Eine Suchbewegung, in: Eurozine,
http://www.eurozine.com/articles/2005-01-05-schloegel-de.html. Erstdruck in: Pro Helvetia Cultural Magazine Passages, No 36, Centrelyuropdriims: Wo liegt Europa?, Frühjahr 2004.

[18] Schlögel, a.a.O.

[19] Siehe dazu näher R. Benedikter, Die Postmoderne und der Irak. Ein polemischer Diskussions-Beitrag zum „Jahrhundert der Demokratisierung“ aus kultureller Sicht (im Druck).

[21] R. Dahrendorf und T. Garton Ash, Die Erneuerung Europas. Antwort auf Habermas, in: Süddeutsche Zeitung, 5.-6. Juli 2003.

[22] M. Osterrieder, Europa - aber wo liegt es? Eine polemische Betrachtung, in: Kulturzeitschrift Die Drei, Heft 8-9/2003, Frankfurt am Main 2003, S. 12-17f.

[23] Hahn, a.a.O., S. 391.

[24] R. Steiner, Mitteleuropa zwischen Ost und West, Werke-Gesamtausgabe (GA) 174a, Dornach 1982.

[25] J. Andruchovych, Europa, meine Neurosen. Rede für den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung, 15. März 2006. Übertragung aus dem Ukrainischen:  S. Stöhr, u.a. in: http://www.mdr.de/DL/2623482.pdf. Hervorhebungen: R.B.

[26] Schlögel, a.a.O.

[27] Vgl. dazu meine 7-bändige Reihe „Postmaterialismus“ im Passagen Verlag Wien (2001-2005), die in Kooperation mit Trägern des Alternativen Nobelpreises entstand: www.passagen.at/autoren/benedikter.html.

[28] Siehe dazu näher R. Sonnenberg, Europa bleibt eine Antwort schuldig, in: Kulturzeitschrift Die Drei, Heft 8-9/2003, Frankfurt am Main 2003, S. 5-8.

[29] Dpa, Dichter und Schlächter. Peter Handke „schaut und fühlt“ bei Milosevic-Beerdigung, in: Der Spiegel Online, 18. März 2006, http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,406770,00.html. Vgl. dazu näher P. Handke, Die Tablas von Daimiel. Ein Umwegzeugenbericht zum Prozeß gegen Slobodan Milosevic, in: Literaturen. Das Journal für Bücher und Themen, Heft 07/08 2005.

[30] Zitiert nach Hahn, a.a.O., S. 386.

 

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