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"Kirillow" Interview mit Andreas Maier
Andreas Maier im Kulturelemente-Gespräch über seinen neuen Roman „Kirillow"

 

Es galt bisher quasi als „Markenzeichen", dass Sie in Ihren Texten einen vielstimmigen Chor von Gedachtem, Gesagtem und Vermuteten am Laufen halten und dabei die Schattierungen des Vagen besonders hervorstreichen. Kann man in diesem dritten Buch eine stärkere Rückkehr zum traditionellen Erzählen beobachten?

 

Ja. Wenn man das traditionell nennen will. Das Experimentierhafte, wofür meine ersten beiden Romane gelobt wurden, habe ich sowieso eher immer für unausgegoren gehalten. Man wird immer für falsche Dinge gelobt.

 

 

„Alles hier war ein Klischee und zugleich das genaue Gegenteil davon." („Kirillow", S. 325) Beschreibt dieser Gedanke, der im Text dem Protagonisten Julian Nagel zugeordnet wird, nicht in gewisser Weise die Grundstimmung des Romans?

 

Nein, er beschreibt die Welt.

 

 

Der Roman „Kirillow" arbeitet mit philosophischen Fragestellungen und mit politischen Schlagwörtern, die Sie den handelnden Personen in den Mund legen. Können Sie dem Begriff „engagierte Literatur" etwas abgewinnen oder bevorzugen Sie eine andere Lesart?

 

Mein Roman ist überhaupt nicht engagiert. Er denkt nach über die conditio humana, nicht mehr und nicht weniger. Ein Handeln in der Menschenwelt, das mit den Begriffen sinnvoll oder sinnlos zu belegen wäre, gibt es nicht.

 

 

Man hat Ihnen vorgeworfen, mit „Kirillow" der bundesdeutschen Chaotenszene das Wort zu reden. Trifft Sie dieser Vorwurf?

 

Ich finde ihn ganz wunderbar.

 

 

 

Welche Rolle spielt die Thematik der Atommülltransporte – oder weiter

gefasst: der Entsorgung und Lagerung hochgefährlicher nuklearer Rückstände – in Ihrem Roman über die technische Funktion eines Erzählgerüstes hinaus?

 

 

Der Atommüll hat im Text für einige Protagonisten eine metaphorische Bedeutung. Er ist das Kondensat unserer Urschuld. Er ist das, was wir Kraft unseres Vorhandenseins als Menschen produzieren. Er zeigt, was wir sind. Alles andere als moralische oder vernünftige Wesen. Jedes Tier ist besser als wir. Und wir wissen das sehr genau.

 

 

Können Sie uns einige Publikumsreaktionen schildern, die Sie auf der aktuellen Lesereise mit „Kirillow" erleben?

 

Viel Gelächter, gemischt mit plötzlichem Entsetzen. So, wie es sein soll.

 

 

Herr Maier, danke für das Gespräch!

 

 

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