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Martin Senoner

Werden wir durch den Einsatz von freier Software freier?

 

 Wenn wir in einem Gasthaus einkehren, wählen wir aus der Karte etwas, nach dem uns gerade der Sinn steht. Im Normalfall fragen wir nicht nach, wie das Gericht genau zubereitet wird und woher der Koch die Zutaten besorgt hat. Wenn wir aber mit einer Allergie zu kämpfen haben, werden wir doch nachfragen. Das gleiche werden wir tun, wenn uns das exotische Gericht besonders gemundet hat und wir es selbst kochen wollen. Wenn wir Glück haben, ist der  Koch gerne bereit, seine Geheimnisse mit uns zu teilen.

 Wenn wir einen Computer kaufen, wählen wir etwas bedächtiger und entscheiden uns meistens für ein Modell bei dem schon ein Betriebssystem und gängige Software vorinstalliert ist. Wir handeln dabei wie wenn wir im Restaurant das Menü des Tages bestellen würden, ohne zu fragen, was es heute gibt. Wenn wir dann später doch noch für einen besonderen Fall ein weiteres Programm benötigen, müssen wir es teuer zukaufen. Wir erwerben dabei nur das Recht das Programm an einem Computer zu nutzen (Lizenz) und dürfen es weder an mehreren Geräten einsetzen noch das Ganze oder Teile davon weitergeben. Ein technisch versierter Benutzer würde vielleicht die Fehler, die er in der Software entdeckt, gerne selber korrigieren und die Korrekturen dann auch weiter geben.

Für die gängigsten dieser Programme gibt es aber Alternativen, die man sich im Internet besorgen kann und die unter einer Lizenz stehen, die uns all diese Möglichkeiten gibt. Diese Software nennt man freie Software. Diese Software brauche ich nur nur einmal erwerben oder aus dem Internet holen und kann sie auf allen Computern im Büro und zu Hause einsetzen. Ich darf die Software auch unbegrenzt weitergeben und kann mir die Software und ihren Quellcode genau anschauen und ihn auch bearbeiten und an meine Bedürfnisse anpassen. Natürlich darf ich diese Veränderungen auch weitergeben. Ich muss nur angeben, woher die Software stammt, wie ich bei einem Zitat immer die Quelle nennen sollte. Wenn ich aber selbst nicht zu solchen technischen Leistungen fähig bin, kann ich einen Fachmann damit beauftragen, ich muss mich dabei nicht an den Hersteller der Software wenden, sondern kann einen Programmierer aus meiner Umgebung engagieren.

Wenn die Software an eigene Bedürfnisse angepasst werden soll, was bei größeren Betrieben und in der öffentlichen Verwaltung nicht selten ist, zeigt sich, dass freie Software keine gratis Software ist. Zu diesen Kosten kommt noch die Schulung der Mitarbeiter, die meistens notwendig wird. Die dabei entstehenden Kosten können in der Anfangsphase den Kosten proprietärer Software gleichkommen. Mittelfristig kommt es normalerweise aber zu Einsparungen. Dazu kommt noch die Tatsache, dass die Gelder beim Umstieg auf freie Software normalerweise an lokale Beratungs- und Schulungseinrichtungen sowie örtliche Programmierer gehen und somit wieder der eigenen Volkswirtschaft zugute kommen. Bei proprietärer Software gehen die Mittel an den Produzenten der Software, der meistens im Ausland angesiedelt ist.

Software, die eigens für ein Unternehmen oder eine Behörde angefertigt wird, sollte möglichst auch freie Software sein. Die Kosten sind in diesem Fall gleich hoch, wie bei herkömmlicher Software, der Auftraggeber erhält zum fertigen Programm auch den Quellcode und ist nicht auf den ursprünglichen Programmierer angewiesen, wenn Fehler behoben oder Erweiterungen eingebaut werden müssen. Dazu kommt noch, dass die Software auch von anderen Benutzern weiterentwickelt werden kann. Diese Arbeit kommt dann auch den ursprünglichen Nutzern der Software zugute.

Von Kritikern freier Software wird gerne behauptet, dass freie Software weniger sicher ist, da auch potenzielle Angreifer, den Quellcode der freien Software studieren können und so potenzielle Sicherheitslücken nutzen können. Natürlich hat auch freie Software Fehler, die von Angreifern genutzt werden können. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt aber, dass bekannte Sicherheitslücken in freier Software viel schneller geschlossen wurden, als in proprietärer Software. Natürlich muss der Nutzer freier Software sich um die Sicherheit kümmern und vorhandene Verbesserungen installieren. Das mag auch einer der Gründe sein, warum bis jetzt Privatpersonen und Unternehmen  mit einer eigenen IT-Abteilung zu den häufigsten Nutzern von freier Software gehören.

Natürlich gibt es unter freier Software zahlreiche für die Sicherheit zuständige Programme.

Im Jahr 2003 hat sich die Stadt München für den Umstieg auf freie Software entschieden. Dabei hat sich wieder gezeigt, dass freie Software nicht unbedingt billiger ist, als proprietäre Software. Die dadurch notwendig gewordene Umschulung der Mitarbeiter und die Kosten für die Anpassung alter Software, die eigens für die Münchner Stadtverwaltung geschrieben wurde, übersteigen die Kosten, die entstanden wären, wenn die Stadt auf die aktuelle Version des bisher benutzen Systems umgestiegen wäre. Dies gilt aber nur für die Migration, schon in wenigen Jahren wird sich das Experiment auch finanziell lohnen.

Gerade die öffentlichen Verwaltungen haben oft das Problem der Austauschbarkeit von Daten und fordern daher, dass die Formate dieser Daten vereinheitlicht werden. Mit freier Software kann man normalerweise auch Dateien anderer Programme lesen und bearbeiten, was umgekehrt leider nicht immer der Fall ist. Um dem abzuhelfen, haben die bekanntesten Hersteller von freier Software freie Datenformate geschaffen, die auch von proprietärer Software eingesetzt werden könnten.

Auch in Südtirol gewinnt freie Software immer größere Marktanteile. Sowohl in den Gemeinden als auch in den Sanitätseinheiten und (teilweise) beim Land wird bei Servern auf mit freier Software laufende Systeme gesetzt. Noch heuer wird auch in der Landesverwaltung neben der bisherigen Büro-Software die bekannte freie Software openoffice.org (siehe Kasten: die verbreitetste freie Software) eingesetzt werden. Auch sonst will das Land in Zukunft verstärkt auf freie Software setzen:

 

 

In Südtirol meist benutzte Freie Software:

 

www.openoffice.org Büro-Software, bestehend aus einer Textverarbeitung, einer Tabellenkalkulation, einer Präsentations- Software und verschieden anderen Modulen.

Firefox (www.mozilla.org), ein Internetbrowser.

Tunderbird (www.mozilla.org), für E-Mails.

Gnu/Linux, ein freies Betriebssystem.

 

 

 

Kasten/Glossar:

Quellcode ist das eigentliche Programm, wie es der Programmierer schreibt.

Software ist ein Fachausdruck für Computerprogramme.

Proprietäre Software ist Software, die nicht frei nutzbar ist und immer dem Hersteller gehört.

Installieren ist das „Einrichten“ von Software auf einem Computer.

Betriebssystem ist eine Software, die als Basis für alle anderen Programme dient, jeder Computer braucht ein Betriebssystem.

Migration ist (hier) die Einrichtung eines neuen Betriebssystems auf einem oder mehreren Computern.

Server sind besondere Computer, die Daten für ein Netzwerk (auch das Internet) liefern oder besondere Dienste zu Verfügung stellen.

 

 

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