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Georg Plattner

RAS – Südtiroler Telekommunikation auf dem Weg ins neue Jahrtausend

Die markante Berglandschaft des Alpenraumes erschwert die flächendeckende Rundfunkversorgung des Landes. Dazu bedarf es eines kapillar aufgebauten Sendernetzes, wobei oftmals schwierige technische, geographische und klimatische Gegebenheiten überwunden werden müssen. Die Hörer und Seher sollen ein bestmögliches Signal erhalten, weshalb die gestellten Anforderungen an die Technik auch sehr hoch sind. Mit ihren 26 Mitarbeitern betreibt die RAS derzeit etwa 900 Sende- und Empfangsanlagen an rund 120 Senderstandorten im ganzen Land. In diesem weit verzweigten Sendernetz werden mehr als 150 Richtfunkstrecken und modernste Digitaltechnik eingesetzt. Durch Verwendung neuester Technologie wird zudem der Energiebedarf gesenkt, was Kosten einspart und Umweltressourcen schont.

Die Rundfunk-Anstalt Südtirol ist vor 30 Jahren als öffentlicher Rundfunkdienst des Landes Südtirol gegründet worden und hat einen gemeinnützigen Auftrag zu erfüllen. Erste Aufgabe ist es, in Südtirol die Hörfunk- und Fernsehprogramme aus dem deutsch- und ladinischsprachigen Kulturraum zu verbreiten. Dafür haben die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Österreichs, Deutschlands und der Schweiz ihre Programme unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die analogen Fernsehprogramme ORF1, ORF2 und ZDF werden landesweit, in der westlichen Landeshälfte und in den ladinischen Tälern SF1 und in der östlichen Landeshälfte ARD ausgestrahlt. Zudem werden die ORF-Hörfunkprogramme Ö1, Ö2, und Ö3 landesweit, Radio Rumantsch der SRG in den ladinischen Tälern und im Obervinschgau verbreitet. Eine wichtige Grundlage der Tätigkeit der RAS war und ist die ständige Kooperation mit den öffentlichen Rundfunkanstalten ORF, ZDF, SRG und ARD sowie der RAI und dem Kommunikationsministerium, aber auch ein konstruktiver Dialog mit den privaten Programmveranstaltern.

Die RAS kann auf eine langjährige Erfahrung in der praktischen Umsetzung verschiedenster technischer Projekte im Kommunikationsbereich bauen. Über die Richtfunkstation „Hohe Scheibe" in den Sarntaler Alpen werden nicht nur die Signale der in Südtirol ausgestrahlten Programme zum Hauptsender Penegal transportiert, sondern auch jene der Richtfunkringleitung Bozen-Innsbruck-Bozen(-Trient), die den grenzüberschreitenden Programm- und Datenaustausch zwischen Süd und Nord ermöglicht. Ein auch auf nationaler Ebene führendes Beispiel des Zusammenwirkens verschiedener Aktivitäten im Kommunikationswesen ist das im Auftrag der Südtiroler Landesregierung verwirklichte Pilotprojekt „Mut" oberhalb von Dorf Tirol. Dieser und viele weitere gemeinsame Senderstandorte sind errichtet worden, um den Wildwuchs von Sendemasten einzuschränken und möglichst landschaftsschonend eine flächendeckende Rundfunk- und Funkversorgung gewährleisten zu können.

Die Zukunft stellt die RAS vor technische Herausforderungen. Dazu gehört insbesondere der Umstieg von der analogen auf die digitale Sendetechnik - das digitale Fernsehen DVB und der digitale Hörfunk DAB werden in den nächsten Jahren zunehmend Verbreitung finden. Überdies ist es Interesse des Landes, den Ausbau von gemeinsamen Senderstandorten voranzutreiben, die von RAS, RAI, privatem Rundfunk, Landesfunkdiensten und Mobilfunkbetreibern genützt werden können, wodurch dabei anfallende Synergieeffekte optimal genutzt werden können. Zusätzlich zu diesen Hörfunkprogrammen werden mittels digitaler Technologie Daten übertragen, wie die aktuellen Nachrichten, die Verkehrslage, das Wetter, Veranstaltungen und Fotos. Da bei DAB mit einem Sender bis zu acht Programme ausgestrahlt werden, ist auch der Energieverbrauch im Vergleich zu UKW wesentlich geringer. Mit nur acht DAB-Sendern: in Montiggl, Kardaun, St. Konstantin, Plose, Kronplatz, Freienfeld, Vinschgau und Obervinschgau ist es bereits möglich, etwa 80 % des Landes zu versorgen.

Eine Tagesreichweite von mehr als 30 Prozent bestätigt die hohe Akzeptanz der von der RAS verbreiteten Programme (ORF1 30,4%, ORF2 31,1%, ZDF 27,8%, ARD 12%, SF1 9,8% laut ASTAT-Umfrage 2001). Mit etwa 120 Senderstandorten wird ein Versorgungsgrad von mehr als 99 Prozent erreicht. Damit wäre der Auftrag der RAS eigentlich erfüllt. Die neue digitale Übertragungstechnologie DVB-t (Digital Video Broadcasting – terrestrial) eröffnet nun aber neue Möglichkeiten, den Zusehern zusätzliche kulturelle Angebote zur Verfügung zu stellen. Die Landesregierung beabsichtigt, der Südtiroler Bevölkerung mit der Einführung qualitativ hochwertiger Fernsehprogramme zusätzliche Kultur-, Informations- und Dokumentationssendungen aber auch Sport- und Kindersendungen anzubieten. Vorgesehen ist die schrittweise Einführung weiterer deutschsprachiger Programme. Neben ARD, ZDF, SF1, SF2, ORF1, ORF2 wäre die Ausstrahlung der Programme Bayern 3, Kinderkanal, Bayern alpha, 3 Sat, ZDF info aber auch englisch- oder französischsprachiger Sender möglich. Die RAS wird die digitalen Fernseh- und Hörfunkprogramme schnellstmöglich einführen und den Bürgerinnen und Bürgern neue Dienste und aktuelle Informationen zur Verfügung stellen. Aufgrund der Frequenzknappheit war es der RAS bislang nicht möglich, die Programme ARD und SF1 landesweit zu verbreiten. Jetzt – mit der digitalen Übertragungstechnologie DVB-t – wird es möglich, über einen Fernsehkanal mehrere Programme zu übertragen. Damit können in bester Qualität zusätzliche Fernsehprogramme verbreitet werden.

Die RAS ist nun mit dieser Umstellung von der analogen auf die digitale Sendetechnik gestartet. Somit können über das vierte Sendenetz der RAS nicht mehr nur das Schweizer Programm SF1, sondern auch ARD und - neu für ganz Südtirol - SF2 übertragen werden. Die RAS startet den digitalen Sendebetrieb vorerst mit drei Fernsehprogrammen. Aber auch die Übertragung eines zusätzlichen vierten Programmes wie beispielsweise Arte soll getestet werden. Das Gasparri-Gesetz aus dem Jahre 2004 schreibt vor, dass der digitale Umstieg innerhalb des Jahres 2006 durchgeführt werden muss. Es bleiben also nur mehr knapp zwei Jahre für all diese aufwendigen Umstellungen. Den nächsten großen Schritt dieser Umstellung, beabsichtigt die RAS im kommenden Herbst durchzuführen: Anlässlich des 30 jährigen Bestehens der RAS veranstalten wir wieder die Medientage im Meraner Kursaal – dieses Mal zusammen mit dem Kommunikationsbeirat. Und dabei wird der Hauptsender des Programms SF1 am Penegal von der analogen auf die digitale Sendetechnik umgestellt werden. Mit der Umstellung auf die Digitaltechnik müssen dann allerdings mehr als 600 Fernseh-Sendegeräten umgerüstet werden. Dazu braucht es unter anderem Einsatz, Zeit und Geld.

Mit dem Umstieg von analoger auf digitale Sendetechnik erhofft sich die RAS in Zukunft auch jene Gebiete versorgen zu können, die bisher die RAS-Programme nicht empfangen konnten wie z.B. Durnholz-See, Gebiete in der Umgebung von Schlanders und Mölten.

 

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