zurück  

               

                         
Bernhard Nußbaumer

Stararchitekt Mattheo Thun im Kulturelemente-Interview 

 

 

Was löste in Ihnen den Wunsch aus Architektur zu studieren?

Ich hatte nie den Wunsch, Architektur zu studieren. Es war eine Verlegenheitslösung. Meine Mutter ist Architektin. Ich wollte immer Pilot sein.

 

Wer war Ihr wichtigster "Lehrmeister"?

Meine Lehrmeister: Oskar Kokoschka: „die Schule des Sehens" , Emilio Vedova: „der Querdenker", Ettore Sottsass: „Do it simple".

 

Sie arbeiten in den Bereichen Architektur, Design und Kommunikation - was reizt Sie am meisten?

In meinem Beruf ist das grenzübergreifende holistische Element die tägliche Herausforderung, an der ich Freude finde.

 

Was ist ausschlaggebend dafür, dass Sie einen Auftrag annehmen?

Ein Auftrag muß eine holistische Herausforderung sein, maßstabübergreifend, Interior-Lighting Construction, Cost Control, etc..

 

Sind Sie Workaholic?

Ich bin kein Workaholic. Ich liebe meine Arbeit über alles.

 

Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?

Meine Inspiration kommt aus kontinuierlicher Beobachtung. Ich bin kein Kreativer sondern ein Beobachter.

 

Mal ehrlich - ist man auch als Design-/Architektur-Profi noch von Moden abhängig?

Als Architekt/Designer ist man mode-unabhängig. Wir atmen jedoch alle dieselbe Luft…

 

Von welchem Trend haben Sie sich zuletzt am meisten beeinflussen lassen?

Der Trend, der mich in den letzten Jahren am meisten beeinflußt hat, ist die Nachhaltigkeit: den Planeten Erde meinen Kindern so zu übergeben, wie ich ihn vorgefunden habe.

 

Auf welche Leistung in Ihrem Leben sind Sie am stolzesten?

Am stolzesten bin ich auf meine Familie: seit zwanzig Jahren mit einer phantastischen Frau und zwei wunderbaren Söhne mein Glück zu finden.

 

 

Welches ist Ihr, von Ihnen entworfenes Lieblingsgebäude?Welches ist Ihr, von Ihnen entworfenes Lieblings-Designobjekt?

Ich habe keine Lieblingsgebäude und keine Lieblingsobjekte: sobald ein Projekt abgeschlossen ist, verschwindet es aus meinem Beziehungshorizont.

 

Nach Memphis und Postmoderne kam allmählich der neue Purismus mit Design-Stars wie Jasper Morrison. Konnten Sie mit dieser Richtung etwas anfangen?

Memphis, Postmoderne, Minimalismus, „less is more", „less is a bore„. Die Kunst der Subtraktion - weniger ist mehr - eine Kunst, die mit Mies van der Rohe seinen Höhepunkt erreicht hat und heute mit neuen Ansätzen, wie die von Jean Nouvel und Peter Zumthor z.B. bereichert wird.

 

Welche Entwicklungen in der Designszene der letzten Jahre begrüßen Sie, auf welche könnten Sie eher verzichten?

Eine Entwicklung der letzten Jahre, auf die ich hätte verzichten können: blutleerer Minimalismus, fehlende Emotionen, verlorene Lebensfreude.

 

Zurückblickend - was hat sich in Ihrem Entwurfsstil in den 20 Jahren Ihres bisherigen Berufslebens geändert?

In meinem Entwurfsstil hat sich in den letzten Jahren nichts verändert: die bei Sottsass erlernte Methodik gilt für alle Projekte im kleinen und im großen Maßstab, gemäß dem Slogan: „vom Löffel zur Stadt" von Ernesto Rogers, 1952 – mein Geburtsjahr.

 

Wie würden Sie Ihren eigenen Stil beschreiben? Gibt es eine Matteo Thun-typische Handschrift?

Es gibt keine Matteo Thun Handschrift, es gibt nur eine Matteo Thun Methodik: "Echo nicht Ego" (Ergebnisse entstehen im paritätischen Teamwork).

 

Ihr Credo?

Der „Genius Loci" entscheidet über meinen architektonischen Stil.

 

Was sind Ihre aktuellen Projekte?

Meine aktuellen Projekte: ein Wellness Resort am Schwarzen Meer, ein Hotel im Hafen von Neapel, ein Hotel im Hafen von Düsseldorf, eine Inselbebauung in Sankt Petersburg und ein Hotel im Zentrum von Mailand. Für diese Projekte entwickle ich auch Objekte im kleinen Maßstab, die nicht in den vorhandenen Katalogen zu finden sind.

 

 

Was die Zukünftigen?

Zukünftige Projekte: Wellness-Hotels in den Emiraten.

 

Sie haben unzählige Designpreise erhalten - welcher war der wichtigste für Sie? Warum?

Nur zu oft Feigenblatt-Aktionen, Marketing-Promotionen, in den seltensten Fällen wird die Authentizität prämiert.

 

Sie leben und arbeiten in Mailand? Warum?

Ich arbeite und lebe in Mailand, um Zeit zu gewinnen; auch um Austausch mit den Kreativ-Freunden aus der Mode zu halten.

 

Wie würden Sie Ihren persönlichen Wohnstil in einem Satz beschreiben?Wer hat bei Thuns zuhause das Sagen, wenn es um Einrichten geht – Sie oder Ihre Frau Susanne?

Mein persönlicher Wohnstil ist von meiner Frau Susanne geprägt. Er verändert sich jährlich, oft sogar saisonal.

 

Leben Sie mit Matteo Thun-Entwürfen oder auch mit Möbeln anderer Kollegen?

Ich lebe grundsätzlich ohne Matteo Thun-Entwürfe, die füllen meinen Kopf tagsüber. Möbel grundsätzlich nur von Klassikern der Moderne (1900-1960) und natürlich auch Antiquariat aus der Familie.

 

Hat Matteo Thun eine geheime Obsession?

Eine geheime Obsession: der Winter im Engadin, Frühjahr und Herbst in Capri, Sommer in S. Barth.

 

Was würden Sie gerne einmal entwerfen?

Ich würde gerne einmal meine Agenda neu entwerfen: die 24 Stundeneinteilung auf 12 Stunden...

 

Würden Sie sich heute noch mal für den Beruf des Designers entscheiden?

Ich bin Architekt und nicht Designer, eine glückliche Fügung des Zufalls.

 

 

Danke für das Gespräch!

 

  

 

zurück