zurück  

               

                         
Helga Salchegger

Wie viel kostet unsere Landschaft?
Landschaftsplanung in Südtirol

 

Landschaft ist ein kostbares Gut. Die Straßenecke, der Vorplatz, die landwirtschaftlichen Kulturen, der Garten, die Parklandschaft, das Betriebsgelände, der Straßenraum, die Brachfläche spiegeln verschiedene Ebenen gesellschaftlicher, künstlerischer, ökonomischer und ökologischer Bedeutung wider. Berge, Täler, Flüsse und Seen sind Bestandteile unserer Landschaft und doch ist Landschaft mehr als die Summe der Einzelteile. Freiräume sind vielschichtig, Landschaften sind komplex. Sie stiften Identität, sie vermitteln Informationen, bergen Geschichte(n), eröffnen Möglichkeiten.

Wir leben in und erleben unsere Landschaft tagtäglich, sind geprägt durch sie, fühlen uns daheim in ihr, benutzen sie und leben von ihr. Nach Hause kommen bedeutet auch in ein Umfeld zurückzukehren, Erinnerungen aufleben zu lassen und sich sicher in einer bekannten Umgebung zu fühlen.

 

Alles Alltägliche kann zur Gewohnheit werden, kann die Selbstverständlichkeit erreichen und an Wert verlieren, darin liegt die Gefahr. Landschaft kann man nicht kaufen, wenn Bedarf herrscht, man kann sie erhalten und pflegen, an die nächste Generation weitergeben, aber man kann sie nur langfristig und mit hohem Kostenaufwand "nachproduzieren".

 

Südtirol ist reich an wunderbaren und abwechslungsreichen Landschaften. Allzu oft gehen wir aber nicht wertschätzend damit um. Tourismus und Werbung bedienen sich aparter Landschaftsbilder, zeigen den Besuchern paradiesische Aussichten; wir vermarkten unsere Landschaft und doch scheint unser Bewusstsein im Umgang mit Landschaft immer kurzsichtiger zu werden.

Gleichzeitig steigen die Anforderungen an unsere Landschaft immer mehr: Erholung vom Arbeitsalltag, Schutz vor Naturkatastrophen, Produktion von pflanzlicher Biomasse, Regulation von Stoff- und Energiekreisläufen (z.B. Wasserrückhalt und Reinigung), ökologische Funktionen wie Bereitstellung von Lebensraum oder psychologische Funktionen wie Ästhetik von Grünflächen und kulturelles Erbe von Landschaften.

 

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Südtiroler Landschaft drastisch verändert. Tiefgreifende Umbrüche in der Wirtschaft und der Gesellschaft sind die Ursachen dafür. Regional charakteristische Landschaftselemente und naturnaher Lebensraum für Fauna und Flora sind verloren gegangen.

Unsere Landschaften verarmen, denn trotz ihres hohen Wertes haben die Natur und die natürlichen Landschaften keinen Preis. Was heute zählt, wird immer mehr dem Kriterium der Effizienz unterworfen. Diese Vorgangsweise gefährdet auch Landschaften, die bislang verschont geblieben sind. Doch nicht nur Siedlungsentwicklung und steigender Erholungsdruck zerstören scheinbar unbedeutende Elemente, auch die rationelleren Bewirtschaftungsweisen tragen zu Qualitätsverlust und Verarmung bei. Ein Steinhaufen stört die ungehinderte Abfahrt der Skifahrer, die Eiche den Arbeitsablauf der Straßeninstandhaltung, die Senke vernässt und vermindert den Pflanzenertrag.

 

Das Bestreben der Menschen, Natur, Landschaft und auch das bauliche Erbe zu schützen hat enorm zugenommen und teilweise idealistische Dimensionen erreicht. Rechtsgrundlagen sind dadurch entstanden. Eine massive Entlastung für Natur und Landschaft ist jedoch noch immer nicht sichtbar.

 

An der Fachschule für Obst-, Wein- und Gartenbau Laimburg ist das Thema Landschaftsplanung Teil der Ausbildung und in den letzten Jahren auch vermehrt in die Weiterbildung aufgenommen worden. Schulklassen der Gärtnerausbildung planen öffentliche Grünflächen (Schulhöfe, Straßenbegleitgrün, Parkanlagen oder Wanderwege). Dadurch wird das Bewusstsein seitens der jungen Menschen aber auch seitens der Gemeinden für einen befriedigenden Umgang mit Landschaftselementen geschärft. In der Weiterbildung werden Angebote für Gemeindegärtner oder für Entscheidungsträger öffentlicher Einrichtungen vermehrt angeboten. Themen waren unter anderem ein nachhaltiger Umgang mit Landschaftselementen, naturnahe Pflege von Grünflächen, Planungsansätze für Freiräume oder Vorteile und Einsatz von Dachbegrünungen.

Am Beispiel von Gründächern zeigt sich ein möglicher Lösungsansatz gegen die Versiegelung und den Landschaftsverbrauch mit all seinen negativen Auswirkungen. Gründächer als Instrument gegen Bodenversiegelung und für Regenwasserspeicherung haben sich in den letzten Jahren als sinnvolle und auch ökonomisch interessante Maßnahme erwiesen. Eine Dachbegrünung bietet Regenwasserrückhalt ebenso wie eine Wiedergewinnung verbauter Flächen. Sie wirkt als Wärmedämmung im Winter und kühlt im Sommer, mindert die Ausbreitung von Schallwellen, filtert Staub und stellt einen neuen Lebensraum für Pflanzen und Tiere dar. Der Ausblick auf begrünte Dächer steigert den ästhetischen Wert von Siedlungsräumen und bindet die Bauten in die Landschaft ein.

Zum Thema Dachbegrünungen gibt es an der Fachschule Laimburg ein Versuchsdach mit extensiven Begrünungen. Seit kurzem können auf diesem Flachdach 12 verschiedene extensive Begrünungen unterschiedlicher Anbieter begutachtet werden, wobei vom Aufbau der Schichten bis zur Vegetationsentwicklung interessante Informationen sichtbar werden. Gemeinsam mit dem Amt für Gewässerschutz wird der Wasserrückhalt der einzelnen Flächen bzw. die Vegetationsentwicklung in den nächsten Jahren untersucht. Privatpersonen sowie Besucher von öffentlichen Stellen können sich über Gründächer informieren und verschiedene Produkte begutachten.

 

Die Frage, wie Freiräume in Zukunft interpretiert und verwendet werden, welche Voraussetzungen sie erfüllen müssen, kann nur in einem fachlich erweiterten Kontext sinnvoll behandelt werden. Landschaftsplanung, Raumplanung und Landschaftsarchitektur dürfen nicht zu bürokratischen Hindernissen degradiert werden, sondern müssen Fächer übergreifend als notwendiges Instrument für eine nachhaltige Entwicklung unserer Landschaft eingesetzt werden. Öffentliche Einrichtungen und politische Gremien können eine Vorbildwirkung für Lösungsansätze übernehmen. Ein begrüntes Dach in einer Gartenbauschule ist in diesem Sinne ein Schritt in die richtige Richtung...

 

 

 

Dipl.Ing. Helga Salchegger

Fachschule für Obst-, Wein- und Gartenbau Laimburg

 

 

zurück